Einschätzung

Y - The Last Man: Tage wie diese
Brian K. Vaughan, Pia Guerra, Jose Marzan Jr.

 Buch-Kritik
 Pfeil Die Comicserie "Y - The Last Man", deren Sammlung in Buchform bisher zwei Teile umfasst, erzählt von Yorrick. Der Entfesselungskünstler aus Boston hat ein Problem: Eine mysteriöse Seuche hat alle männlichen Spezies auf der Erde ausgelöscht - nur er selbst und sein Affe Ampersand haben überlebt. Warum ausgerechnet sie, weiß niemand.

Aber natürlich steht Yorrick (mit "Y" wie das gleich lautende Chromosom) plötzlich im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Nicht, dass jetzt männliche Fantasien wahr würden und Yorrick von morgens bis abends die verbliebenen Frauen befriedigen muss - aus ganz anderen Gründen ist man hinter ihm her. Die Forscherin Dr. Mann (!) hat eine Möglichkeit zum Klonen entdeckt, die in Verbindung mit Yorricks Erbinformationen die Menschheit vor dem Aussterben retten könnte, während die radikalfeministischen Amazonen ihm ans Leder wollen, um die Männer damit ein für alle Mal auszurotten. Yorrick ist also keineswegs zu beneiden: Er muss unter einer Gasmaske versteckt herumrennen und ist ständig auf der Flucht.

Im nun erschienenen zweiten Teil der Sammlung muss Yorrick eine gefährliche Reise nach Kalifornien antreten, denn das Labor von Dr. Mann wurde niedergebrannt, und die einzigen Backups ihrer Daten sind an der Westküste. Also macht sich der letzte Mann zusammen mit Dr. Mann und der Geheimagentin 355 auf den Weg - immer auf der Hut vor den Amazonen, die mittlerweile auch Yorricks Schwester rekrutiert haben. Sie führt eine Beziehung mit der Anführerin, die, wie könnte es anders sein, militanter ist, als es ein Mann sein könnte.

Man könnte dem Autor Vaughan vorwerfen, "Y - The Last Man" biete nicht viel mehr als die üblichen Klischees von Männer hassenden Lesben und männlichen Superhelden, die die Welt retten müssen, oder dass hier komplexe Themen wie Feminismus und Geschlechterkampf auf eine reichlich simplifizierte Ebene gezogen werden. Man würde dabei allerdings vergessen, dass dieser Comic eher jüngere Leser anspricht - und da muss die Thematisierung solcher comicuntypischen Felder schon als positiv gelten. Allein der Vorspann zum zweiten Teil sagt eine Menge aus über den Stand der "Gleichberechtigung" in unserer Gesellschaft: Die unbekannte Seuche hat mit den Männern unter anderem "99% aller Landbesitzer" und "85% der Regierungsmitglieder der ganzen Welt" vernichtet - und das sind offizielle Zahlen.

Darüber hinaus ist "Y - The Last Man" gut gezeichnet (verantwortlich dafür: Pia Guerra) und lässt den Charakteren Raum, sich zu entwickeln, sodass man gespannt sein kann auf Teil 3.
Tina Manske

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Tinas Wertung: 7 von 12

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Verlegt bei Speed Comics
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