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Tsunami
Geschichte eines Weltbebens
Cordt Schnibben (Hg.)

Buchkritik
Tsunami Pfeil Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst, heißt es. In diesem Buch gibt es davon mehr als genug, allesamt verschachtelt, wie in einem Episodenroman. Minutiös wird die Geschichte des Jahrtausendbebens nachvollzogen unter Verwendung der persönlichen Erlebnisse Einheimischer und Touristen, die gleichermaßen davon überrascht wurden. Spannend und dramatisch sind diese Erlebnisse geschildert, spannend und dramatisch ist das ganze Buch. Und immer wieder werden Erklärungen zur Entstehung dieses Naturspektakels gegeben, die auch Laien verständlich sind. Zudem ist es besonders interessant zu erfahren, wie der Tsunami von Seefahrern und Tauchern empfunden wurde, die sich auf bzw. unter dem Wasser befanden.

Bei alldem wird dennoch immer wieder klar, dass es sich um tatsächliche Schicksale handelt; einige Hauptpersonen sind im Fototeil in der Mitte des Buches abgebildet. Hier finden sich auch diverse Karten, die u. a. den Verlauf und die Höhe der Flutwelle an den verschiedenen Schauplätzen kennzeichnen. Festgestellt wurde sie von einem japanischen Forscherteam, dass die Höhe der Flutschäden nachgemessen hat.
Und trotzdem bleibt die Vorstellung des Geschehens einigermaßen abstrakt. Es fällt mir als Binnenländer schwer, mir eine Welle von 2 m Höhe vorzustellen, von einer 35 m hohen ganz zu schweigen (gemäß Kartografie erreichte der Tsunami diese Höhe vor Aceh). Hilfreich hierbei die in der Erinnerung haftenden Bilder aus den Nachrichten jener Tage, die ohnehin allenthalben aus dem Gedächtnis auftauchen.
Den Beteiligten erging es wie mir, so scheint es, denn niemand glaubte, was er sah. Es werden nur zwei Menschen erwähnt, die die Zeichen der See zu deuten wussten: der Kommandeur eines Militärstützpunktes und ein zehnjähriges Mädchen aus England erkannten, dass dem Verschwinden des Meeres eine unvorstellbare Welle folgen würde. Das Mädchen wurde am Neujahrstag 2005 "zum Engel der Sintflut in einem schönen Märchen", denn, wie die "Sun" verlauten ließ, hat das Mädchen durch ihr Verhalten dafür gesorgt, dass am Mai Khao Beach niemand groß zu Schaden kam. Tatsächlich liest sich ihre Geschichte doch ein wenig anders.
Fazit: Hier wurde ein Buch verfasst, das lehrreich und spannend ist, wenngleich es sich auf der Gratwanderung zwischen reißerischer Vermarktung einer Katastrophe und Tatsachenbericht befindet. Mir als 'Otto-Normal-Leser' gefällt es ausgesprochen gut, denn vieles, was mich seit jenen Tagen zum Thema Seebeben/Tsunami beschäftigt, wird hier unterhaltsam und vor allem verständlich erklärt.
Jo-Achim Goike

 Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria
Wertung: 10 von 10

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 Copyright Jo-Achim Goike für Literaturkritiken.de, 20. August 2005
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