|
Baden Kenney: Skalpell Nr. 5
Umschlagtexte  "Baden
und Kenney sind mörderisch gut!"
Kathy Reichs
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Philomena "Manny" Manfreda,
unerschrockene junge Rechtsanwältin und Prada-Maniac Dr. Jake
Rosen, Rechtsmediziner mit Hang zum Morbiden. Was die beiden verbindet?
Workaholismus und Hassliebe auf den ersten Blick. Nachdem im New
Yorker Hinterland menschliche Überreste in einer Baugrube entdeckt
wurden, finden sich Manny und Jake unversehens als Ermittlerduo wieder
- und in größter Gefahr. Denn Spuren an den Knochen weisen
darauf hin, dass die hier verscharrten Menschen keines natürlichen
Todes starben und Insassen einer sogenannten Nervenheilanstalt waren.
Noch heute ist offenbar jemand bereit zu töten, um die Vergangenheit
dieser Anstalt im Dunkeln zu lassen.
Als die 29jährige Rechtsanwältin Philomena Manfreda den
Pathologen Dr. Jake Rosen in den Zeugenstand lädt, knistert
die Luft. Ein Teenager ist während seiner Verhaftung ums Leben
gekommen. Für die temperamentvolle Manny ein skandalöser
Fall von Polizeibrutalität. Ein bedauerlicher Unfall, befindet
Jake jedoch und fügt der Anwältin die erste Niederlage
ihrer Karriere zu. Da verwundert es kaum, dass Mannys Meinung von
dem alternden, starrköpfigen Rosen gering ist. Der wiederum
verschwendet keinen Gedanken an sein zwar ehrgeiziges, aber offenbar
reichlich oberflächliches Gegenüber. Schrulliger Hagestolz
- überspanntes Modepüppchen, so fallen die Vorurteile
der beiden aus. Wie gut, dass der erste Blick nicht immer der entscheidende
ist.
So denkt auch Dr. Pete Harrigan, Jakes Mentor und Pathologe im
Ruhestand, als in einer Baugrube in der kleinen Gemeinde Turner
menschliche Knochen auftauchen. Alle Beteiligten sind sich schnell
einig: Die Überreste zeugen von einem vergessenen Friedhof
und sollen das Bauvorhaben nicht länger aufhalten. Harrigan
jedoch, der einen zweiten Blick auf die Fundstelle wirft, äußert
Zweifel. Am nächsten Tag sitzt er tot an seinem Schreibtisch.
Jake ist überzeugt davon, dass sein Ziehvater ermordet wurde.
Zusammen mit Manny, die eine Hinterbliebene der Leichen aus Turner
vertritt, sucht er Beweise. Allzu bald finden beide heraus, dass
nicht nur Gerichtsmediziner mit einem Messer umgehen können.
Gerichtsmediziner Michael Baden untersuchte u. a. die Todesfälle
J. F. Kennedy und Martin Luther King. Seine Ehefrau Linda Kenney
ist Anwältin, spezialisiert auf Bürgerrechte. Beide sind
gefragte Fachleute in den US-Medien, sie leben mit ihrem Hund Mycroft
in New York City.
Leseprobe
Manny
war ein wenig schwindelig, daher zog sie einen Stuhl heran und
setzte sich. "Sie machen mir Angst. Raffinierter Mörder?
Wir haben uns heute Abend getroffen, um über einen vierzig
Jahre alten Fall von ärztlicher Fahrlässigkeit zu sprechen.
Und jetzt erzählen Sie mir, dass wir es mit zwei Morden
zu tun haben, wobei die Haushälterin versehentlich umgebracht
wurde. Und vielleicht ist Mycroft bedroht worden. Was heißt
das für uns? Die wissen, dass wir nach etwas suchen!" Den
letzten Satz schrie sie fast. Die Möglichkeit, in Gefahr
zu sein, machte ihre Erschöpfung fast unerträglich.
War die Fahrt nach Poughkeepsie in diesem Leben gewesen?
Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Ich meine damit
nur", sagte er, "dass ich nicht glaube, dass jemand
so clever und überlegt ist, Pete Harrigan mit einem derart
hinterlistigen Gift wie Tetrachlormethan zu vergiften, damit
es wie ein natürlicher Tod aussieht, Petes Haus verwüsten
würde." Er griff nach ihrer Hand. "Sie sind erschöpft.
Fahren wir nach Hause."
Endlich. Sie wollte aufstehen. "Haben Sie das gehört?"
Er stand ganz still. "Was gehört?"
"Da draußen. Da waren Geräusche."
Er eilte zum Lichtschalter, knipste die Lampe aus und zog Manny
zur Haustür. "Was haben Sie gehört? Etwas genauer."
"Schritte auf dem Kies? Ich weiß nicht genau."
Jake öffnete die Tür einen Spalt und spähte nach
draußen. Im Schein des Viertelmondes war nichts zu sehen. "Da
ist nichts. Sind Sie wirklich sicher."
Ihr Blick ließ ihn verstummen.
"Tschuldigung." Er machte leise die Tür zu. "Ich
seh mal hinten nach. Warten Sie hier."
"Sehr witzig." Sie folgte ihm.
Er öffnete die Hintertür. "Nichts zu sehen."
Sie zückte ihr Handy. "Ich ruf die Polizei." Im
Display leuchtete KEIN EMPFANG auf.
"Hier in der Gegend sind keine Funkmasten", sagte er. "In
diesem Teil der Welt ist den Menschen ein ungestörter Blick
wichtiger als ein ungestörter Empfang. Versuchen wir Petes
Telefon."
Die Leitung war tot. "Was machen wir jetzt?", flüsterte
Manny. "Wir können uns nicht hier verstecken, bis die
Sonne aufgeht. Ich bin zum Frühstück mit Patrice Perez
verabredet." Was bedeutet, dass ich überhaupt nicht
mehr ins Bett komme.
Er holte tief Luft. "Dann gehen wir jetzt." Seine Stimme
klang entschlossen.
"Gut." Ihre auch.
"Bevor wir zurückfahren", sagte er, "möchte
ich aber noch die Flasche Johnnie Walker beim Sheriff abgeben.
Ich hätte sie am Tatort lassen können, aber das wollte
ich nicht riskieren."
Sie gingen nach draußen. Manny hatte den Wagen abgeschlossen,
doch jetzt stand die Tür des Porsche weit offen. "Oh
Gott!", sagte Manny. "Mycroft!"
Sie rannte zum Auto, wo ihre Absätze auf den Glassplittern
des Beifahrerfensters knirschten. Mycroft war verschwunden. "Mycroft!",
schrie sie in die Dunkelheit hinein. "Wo bist du?" Sie
blickte Jake aus weit aufgerissenen Augen an. "Er ist weg.
Mycroft!"
"Leise", beschwor er sie. "Vielleicht sind die noch
in der Nähe."
Sie funkelte ihn an. "Mein Hund ist verschwunden",
sagte sie schneidend. "Manchen von uns liegt noch was an
lebenden Wesen."
Plötzlich tauchte Mycroft aus dem Nachbargarten auf und
sprang in Mannys Arme. Und das Schluchzen, das sie seit Stunden
unterdrückt hatte, entlud sich explosionsartig aus ihrer
Kehle.
Leseprobe:
Blessing
Dem
Roman "Skalpell Nr. 5" des Ehepaars Michael "Baden" und
Linda "Kenney" ist auf jeder Seite anzumerken, dass sie
zum einen verheiratet sind, und zum anderen ihre Berufe verstehen.
Wie auch bei den Kolleginnen "Kathy Reichs" ("Totgeglaubte
leben länger") und Patricia Cornwell ("Das letzte
Revier"), verfolgt man fasziniert die Arbeit des Pathologen
Dr. Jake Rosen, der anhand von winzigsten Spuren und kleinsten
Unregelmäßigkeiten auf ungewöhnliche Todesursachen
schließen kann. Beobachtet atemlos die gefährliche Detektivarbeit,
die Gerichtsmediziner leisten können und manchmal auch müssen,
und bewundert die kühnen - und fast immer stimmigen - Schlussfolgerungen,
die sie aus Dingen ziehen können, die für einen Laien
völlig bedeutungslos erscheinen. Und man erfährt durch
Manny Manfreda eine ganze Menge über das Anwaltsgeschäft
in Amerika, das mindestens ebenso viel Fingerspitzengefühl,
Einfühlungsvermögen und detektivischen Spürsinn
erfordert, wie das des Pathologen. Und man verfolgt ausgesprochen
amüsiert, wie sich die beiden Hauptdarsteller Manny Manfreda
und Dr. Jake Rosen langsam aber sicher aneinander herantasten.
Ich schätze, dass das Ehepaar "Baden Kenney" da
viele eigene Erfahrungen verarbeitet hat, ansonsten wären
die ständigen Missverständnisse zwischen den beiden und
die teilweise urkomischen Dialoge nicht so glaubhaft und unterhaltsam.
Nicht zu vergessen die eigentliche Hauptperson: der Hund Mycroft.
Die Schilderung von Mannys heiß geliebten Schoßhund
zeigt, dass die beiden ihren echten Mycroft sehr genau beobachtet
haben und wirklich innig lieben. Witzig und treffend sind auch
die diversen Mitarbeiter von Manny und Jake gezeichnet, die beiden
Autoren haben außerdem auch ein Talent für Landschaftsbeschreibungen,
und wissen, wie man richtig gute Spannung erzeugt. Die Story von "Skalpell
Nr. 5" ist logisch und überzeugend und teilweise geradezu
Angst erregend, und bietet gerade das richtige Maß an Verwirrungsspielchen,
dass man gerne und neugierig bei der Sache bleibt, ohne irgendwann
abzudriften, weil das Ganze zu undurchschaubar wird.
Fazit: Der
Roman "Skalpell Nr. 5" von "Baden Kenney" ist
ein gut geschriebener, sehr unterhaltsamer und ebenso amüsanter
und spannender Thriller aus der Pathologen-Abteilung, mit einer
logischen, überzeugenden und interessanten Story, die einem
zum Schluss auch noch diverse Entsetzensschauer über den Rücken
jagt. Genau die richtige Urlaubslektüre für heiße
Tage am Strand.
Julia Edenhofer
 Bestellen
Bestellen bei "Amazon.de"
Julia
Edenhofer für Literaturkritiken.de, 14.07.07
verlegt
bei Blessing
| |
|