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Sie ist wach
Über ein Mädchen, das hilft, schützt und rettet
Dietmar Dath

 Umschlag Buch-Kritik
 Pfeil Vor einiger Zeit lief die letzte Folge einer Fernsehserie über unsere Bildschirme, die auch hier zu Lande viele Anhänger gefunden hat: "Buffy - Im Bann der Dämonen" (Originaltitel: Buffy, the Vampire Slayer"; die deutsche Übersetzung ist hier wie so oft mehr als unglücklich).

Dietmar Dath, Schriftsteller und Redakteur der FAZ, und Barbara Kirchner, Verlegerin und Chefin des Implex-Verlags, sind beide Anhänger der Serie. Sie haben sich zusammengetan und mit "Sie ist wach" ein außerordentliches Buch realisiert. Ähnlich unterhaltsames und wahres zum Thema Popkultur wird man im Moment auf dem Buchmarkt nicht finden.

Zunächst einmal die Versicherung: Man muss kein Buffy-Fan sein (ich bin es nicht), um dieses Buch mit Gewinn zu lesen. Mit sehr viel Gewinn. Dath schreibt aus der Position des intellektuellen Fans heraus, eine Position, die es zumal in der deutschen Publizistik eher nicht gibt. Entweder man ist intellektuell - dann schaut man solche Sendungen nicht oder gibt das jedenfalls nicht auch noch öffentlich zu. Oder man ist ein bekennender Fan - dann hat man sich laut Intelligenzia mit seinen Gefühlsäußerungen aber bitte auf die Tausende von Foren im Internet zu beschränken, während sich das Feuilleton weiter auf Themen wie Botho Strauß und die Wiener Oper konzentriert.

Einer wie Dietmar Dath macht da nicht mit. "Warum nicht einfach das, was man weiß, auf das draufpacken, was man mag? Ist doch auch ein Sandwich" sagt er sich und stürzt sich ins Vergnügen. Von Kindheit an ist er Horror- und SciFi-Fan. Was er versucht ist die Instandsetzung einer Ästhetik des Unwirklichen. Dabei ist es ihm wichtig, zwischen Erzählung und Mathematik zu vermitteln - zwischen diesen beiden Polen formiert sich das Unwirkliche und dessen Ästhetik seiner Meinung nach. Interessant auch der Rundumschlag zu Beginn gegen die Sorte Kritiker, die weniger interessiert zu sein scheint am Inhalt ihrer Texte, als an den antizipierten Lesarten der Rezipienten: "wie viel dient dem Erfüllungsprogramm einer spezifischen sozialen Metaphysik, dem auf Applaus und Zustimmung ausgerichteten Schönschreiben und Gescheitwirken?" Die Kritikerin, die das liest, fühlt sich zugegebenermaßen ertappt - solche Schreibmotive hatte sie auch schon des Öfteren. Dath will dem etwas anderes gegenüberstellen: "Das Ziel dieses Aufsatzes (...) ist sehr ehrgeizig: Er soll nur Sätze bringen, die ich für wahr halte."
Dath arbeitet sich ab, an Baudrillard, an Adorno natürlich auch. Viel wichtiger als diese Referenzen aber ist seine persönliche Einlassung. Seine Stellung als Floh im Fell der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschönigt er nicht: "jetzt bin ich FAZ-Redakteur und morgen wieder Schriftsteller, wenn ich hier erst mal genug gelernt habe vom Klassenfeind." Und auch eine ganz persönlich Wut lässt er hochkommen: "Sie wissen nicht, was sie reden. Sie wissen nicht, was das ist, Geld. Ich hatte keins. Sie sollten mir welches geben."

"Sie ist wach" handelt also von der Begeisterung eines Mannes für eine Serie, für ihre Figuren, für ihre Bilder und Sätze. Und es handelt auch von diesem Mann selbst, von seiner Biografie, von seinen Wünschen und Ängsten. Dath schafft es, dass man "Buffy" anschauen möchte, obwohl man sich niemals vorher dafür interessiert hat. Er schafft es, dass man meint, die Figuren zu kennen, obwohl man nicht viel mehr als ihre Namen kennt. Und er hält sich nicht bei Einzelheiten auf, sondern sieht das große Ganze: Liebe, Freundschaft, Kapitalismus, Pop in Zeiten der Machtergreifung des "Scheiß" - s. Kirchners Nachwort, wo sie zurecht bemerkt, dass das schlimmste am Scheiß seine unendliche Langeweile ist. (Apropos: Wie ist der Genitiv von Scheiß? Muss man Scheiß deklinieren?)

Das Nachwort von Barbara Kirchner spricht dem Leser aus dem Herzen: Das, was Dath hier an Popkultur-Befindlichkeiten, an Wahrheiten über den Konsum, über die Gesellschaft, in der wir leben müssen, ausbreitet, hätte man selbst nicht besser schreiben können. Und sie haut den Satz raus, den man jedem Publizisten über den Schreibtisch hängen möchte: "dass es die Aufgabe des Denkenden, der schreibt, sein muss, andere nicht nur zu belehren und aufzuklären, sondern eben auch zu stimulieren, zu inspirieren, zu begeistern." Dietmar Dath hat all dies geschafft - auch mit Buffys Hilfe.
Tina Manske

Tinas Wertung: 12 von 12
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