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Judtih Butler
Paula-Irene Villa

 Umschlag Buch-Kritik
 Pfeil Ohne die Erwähnung ihres Namens ist das Reden über Geschlechterverhältnisse nicht mehr möglich: Judith Butler. Bekannt geworden ist sie hauptsächlich durch ihre geschlechterpolitischen Schriften, aber sie hat sich auch mit Subjekttheorie und Diskursanalyse auseinander gesetzt. Sie ist eine der wirkungsmächtigsten Philosophinnen und Theoretikerinnen der letzten Jahre. Berüchtigt ist ihr enigmatischer Stil und ihre nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbare Argumentation.

Paula-Irene Villa versucht in ihrem Buch, diese wichtige Autorin etwas verständlicher zu machen. Der Band "Judith Butler" aus der Reihe "Campus-Einführungen" stellt die wichtigsten Theorien und Schriften der amerikanischen Denkerin vor und gibt einen Überblick über die Rezeption in den USA und Europa, die durchaus unterschiedlich ausfiel. Butler rekurriert in besonderer Weise auf Michel Foucault, dessen Diskursanalyse (‚alles ist in erster Linie Text') für sie einen wichtigen Ausgangspunkt bildete. Auch Austins Sprechakttheorie ist für Butlers Thesen von besonderer Bedeutung. Anhand der von Austin begrifflich eingeführten "performativer Sprechakte" kann die Macht, die von Diskursen ausgeht, beispielhaft dargestellt werden.

Die in der feministischen Theorie verbreitete Trennung von "sex" und "gender" lehnt Butler ab, da ihrer Meinung nach "sex" bereits durch "gender" konstituiert wird und durch den Diskurs der Zwangsheterosexualität. Das häufig vorgebrachte Argument, diese Zwangsheterosexualität rühre aus der Dualität der Geschlechter, dreht sie um: Nicht weil es zwei Geschlechter gibt, besteht eine Heteronormativität, sondern weil Heterosexualität zur Norm gemacht wird gibt es die Dualität der Geschlechter und werden Geschlechtsformen, die sich im Diskurs nicht eindeutig als "weiblich" oder "männlich" verorten, totgeschwiegen. Butlers daran anschließende Überlegungen zu Travestie und Geschlechterparodie gehören nicht umsonst zu den bekanntesten Betrachtungen ihrer Arbeit.

Der Band ist vor allem für diejenigen Leser geeignet, die sich bisher nicht mit der Denkart Butlers auseinander gesetzt haben. Sie werden einen hochinteressanten Kosmos eröffnet finden, ohne den ein Sprechen über Geschlechter bereits seit langem nicht mehr möglich ist. Butler hat mit ihren Arbeiten einen Diskurs maßgeblich beeinflusst, der uns durch seine Wichtigkeit und tägliche Aktualität noch lange und nachhaltig beschäftigen wird.
Tina Manske

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Tinas Wertung: 10 von 12

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