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Never Mind Nirvana
Mark Lindquist

 Umschlag Buch-Kritik
 Pfeil Pete Tyler, 36, ist Staatsanwalt. Jetzt. Früher war er auf der anderen Seite. Früher war er selbst Musiker, ein leidlich erfolgreicher. Es war die Hochzeit des Grunge: Nirvana oder Pearl Jam, das war für viele die einzige Frage. Die ganze Welt schaute auf die Musikszene dieser Stadt, die auf einmal in das Zentrum des allgemeinen Interesses rückte. Mädchen, Partys, Alkohol waren alles, was Pete damals wirklich interessierte. Jetzt ist er einer der Anzugträger, die er damals verspottete, aber auf Partys ist er immer noch gern gesehener Gast. Der Kater am Sonntagmorgen ist sein allfälliger Begleiter.

Aber Pete bekommt Ärger. Eine mutmaßliche Vergewaltigung landet als Anklage auf seinem Schreibtisch und bringt ihn in Schwierigkeiten, denn der Angeklagte ist ein Kumpel aus Petes früherem Leben. Plötzlich sieht sich Pete mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Darüber hinaus hat er ein privates Anliegen, an das er einige Jahre zuvor nicht mal im Traum gedacht hätte: Er möchte gerne heiraten. Das einzige, was ihm dazu fehlt, ist die Frau. Affären hat und hatte er doch einige, sogar eine große Liebe, da muss doch eine davon bereit sein, den großen Schritt zu tun?

Man hat Mark Lindquist nachgesagt, er habe das Format eines Nick Hornby oder, noch besser, eines Easton Ellis. Was klang wie ein vorschneller Hype, ist tatsächlich die Wahrheit. Lindquist ist ein famoser Geschichtenerzähler, der es dem Leser ermöglicht, tief in das Leben der Protagonisten einzudringen. Vor allem aber kann Lindquist Dialoge schreiben. Selten habe ich Gespräche in einem Buch mit einem solchen Spaß gelesen. Man meint nämlich, die Figuren tatsächlich sprechen zu hören, und das ist gar nicht so leicht hinzubekommen. Keine gestelzten Sätze, alles 1a aus dem Leben gegriffen. Man möchte allen Soap-Drehbuchschreibern solch ein Gespür für das gesprochene Wort wünschen.

Dass es am Ende kein Happyend gibt, ist zwingend. Ein Happyend passt nicht zu Seattle und nicht zu dieser Musik. Insofern ist Lindquist auch in diesem Punkt konsequent bis zum Schluss. Für alle, die Musik einen hohen Stellenwert in ihrem Leben geben, für alle, die "Highfidelity" verschlungen haben, ist "Never Mind Nirvana" die richtige Wahl.
Tina Manske

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Tinas Wertung: 9 von 12

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 Copyright Literaturkritiken.de, November 2003
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