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Stephen King: Love
Buch-Kritik
 "Stephen
King" hat mit "Love" einen wirklichen Liebesroman
geschrieben. Allerdings keinen der üblichen Art, ganz gewiss
nicht. Das würde man auch von "Stephen King", dem
Meister des Horrors und Grusel, nicht erwarten. Oder doch? Nach seinem
wunderbaren Roman "Das Mädchen" ist ja bei ihm eigentlich
alles möglich. Aber in "Love" geht es wirklich um
Liebe. Da ist die Liebe zwischen Lisey und Scott. Lisey, die mit
beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität steht und der
die fantastische Gedankenwelt ihres erfolgreichen Schriftsteller-Mannes
Scott immer irgendwie fremd bleibt, und die sich schließlich
doch als Lebensretter erweist. Lisey, die vier Schwestern hat, die
sie - trotz aller Differenzen und all dieser "Schwesterndinge" -
zärtlich liebt. Und die vor allen Dingen ihre älteste Schwester
Amanda am meisten liebt, die komplizierte Amanda, die einen äußerst
fatalen Hang zur Selbstverstümmelung und zur Katatonie hat.
Scott, der höchst erfolgreiche Schriftsteller, der eine albtraumhafte
Kindheit hinter sich hat, der aber sowohl seinen Vater als auch seinen
Bruder Paul innig liebt. Seinen Vater, trotzdem der immer wieder
voller "Bösmülligkeit" ist, und in diesem Zustand
seine Söhne schwer zu verletzen pflegt. Seinen älteren
Bruder Paul, der ihm zur Seite steht, der für ihn die abwechslungsreichen
Spiele der "Bools" erfindet, die ihr Vater dann in die
grässlichen "Blut-Bools" umwandelt. Aus Liebe weiht
Scott, der Ungewöhnliche, seine bodenständige Lisey allmählich
in seine Geheimnisse ein. Geheimnisse, die Lisey nach seinem Tod
verdrängt, bis sie nach zwei Jahren beim Aufräumen von
Scotts Sachen auf die Spur der "Bools" stößt,
die er noch zu Lebzeiten für sie gelegt hat. "Bools" und
auch "Blut-Bools", die Lisey die Erinnerungen an die lange,
schöne, und doch viel zu kurze Zeit mit ihrem mysteriös-liebenswerten
Mann zurückbringt. Die Erinnerungen an diese atemberaubende
Welt namens Boo’ya -Mond, in die Scott sie manchmal entführte,
die bei Tag ein Paradies und bei Nacht mörderisch ist. Jene
Welt, in der es den eigenartig-wunderbaren Pool gibt, "zu dem
wir alle hinuntergehen, um dort zu trinken". Und in der auch
Scotts persönlicher Dämon lauert, der Long John, mit seiner
endlosen gefleckten Seite.
Dieses Buch von "Stephen King" ist eines jener Bücher,
die man aufschlägt und zu lesen beginnt und sich denkt "na
ja". Und dann liest man weiter und denkt "oha!!!".
Und dann liest man weiter und kann nicht mehr aufhören. Man
taucht ein in diese Welt, die "Stephen King" da mit großer
Macht und unglaublichem Geschick vor einem ausbreitet, man identifiziert
sich mit Lisey und Scott und Amanda und den anderen. Man fühlt
und hofft, fürchtet sich und ängstigt sich, weint und lacht
mit ihnen. "Stephen King" hat einfach ein unglaubliches
Talent, lebendige, glaubhafte Charaktere zu schaffen. Genauso, wie
er selbst seine bizarrsten Landschaften so plastisch beschreibt,
dass sie sich wie eine Filmaufnahme vor einem ausbreiten. Und dann
kann man nicht mehr aufhören zu lesen, bis man auch die letzte
der stattlichen 732 Seiten verschlungen hat. Und dann schlägt
man bedauernd das Buch zu, denn jetzt ist es leider zu Ende, und
man muss wieder lange Zeit auf ein neues Werk aus der Feder von "Stephen
King" warten. "Stephen King" hat in "Love" nicht
nur eine völlig fremde, bizarre und höchst beeindruckende
andere "andere Welt" geschaffen, er hat sich auch wieder
ungemein plastische Spracherweiterungen und Neuschöpfungen einfallen
lassen. Ein dickes Lob an den Übersetzer Wulf Bergner, der mit
viel Fantasie und Einfühlungsvermögen das Ganze vortrefflich
ins Deutsche übertragen hat. Denn Wortneuschöpfungen wie
zum Beispiel "Bösmülligkeit" oder die Sache mit
dem "SUWAS -schnalls um, wenn es angebracht scheint", oder
dem "blauäugigen Wunder", das muss einem erst einmal
einfallen. Wirklich große Klasse.
Fazit: "Love" von "Stephen King" ist wieder ein
grandioser Volltreffer. Ein Roman voller Entsetzen und Menschlichkeit,
voller Fantasie und tief schürfender Psychologie, voller Humor
und Mitfühlen. Ein erstklassiger Nägelbeißer und "vom-Schlafen-Abhalter".
Lesenswert!
Julia Edenhofer
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Umschlagtext
Leseprobe
Julia
Edenhofer für Literaturkritiken.de, 05.01.07
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