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The League Of Extraordinary Gentlemen I
Alan Moore, Kevin O'Neills
Buch-Kritik
Die
Liga der außergewöhnlichen Männer (und Frauen), das sind fünf aus der Weltliteratur
ausgiebig bekannte Gestalten: Allan Quatermain (bekannt aus den Büchern
von Haggard), Kapitän Nemo (aus "20.000 Meilen unter dem Meer" von Jules
Vernes), Dr. Jekyll und Mr. Hyde (aus dem gleichnamigen Roman von Stevenson),
Dr. Griffin (aus "Der Unsichtbare" von H.G. Wells) und last not least Mina
Harker (die Braut Draculas bei Bram Stoker). Diese fünf sollen das viktorianische
London und die Welt vor den Allmachtfantasien eines gewissen "Doktors" retten,
der den Stoff Cavorit in seinen Besitz gebracht hat - ein Stoff, der die
Schwerkraft außer Stand setzt und der eigentlich die erste Mondfahrt der
Briten ermöglichen sollte, jetzt aber zur Gefahr wird, da mit seiner Hilfe
der Bösewicht aus der Luft angreifen könnte.
Es gilt also schnell zu handeln. Zuvor jedoch muss die Liga erst mal in
aller Herren Länder von Mina Harker zusammen getrommelt werden, und auch
sonst beginnt die Geschichte nicht gerade als Heldenepos. Quatermain zum
Beispiel ist nur noch ein Schatten seiner selbst, ein von Drogen zerfressener
Geist, und auch die anderen erklären sich zunächst nur widerwillig bereit,
dem geheimnisvollen Auftraggeber M. zu helfen. Es gibt Streitereien und
immer wieder kleine Seitenhiebe zwischen den Superhelden, was zu sehr witzigen
Dialogen und Situationen führt. Dr. Griffin, der Unsichtbare beispielsweise
nutzt seinen Zustand aus, um in einem Mädchenpensionat für ungewollte Schwangerschaften
zu sorgen. Mina Harker wiederum hat einige Mühe, ihre Vergangenheit zu verbergen:
Sie trägt Tag und Nacht einen Schal.
Nach und nach rappeln sich die fünf Individualisten (eigentlich sechs, beachtet
man die Doppelpersönlichkeit eines Jekyll / Hyde) zu einem Team zusammen,
das von einem Kampf in den nächsten stolpert. Aufgemacht ist der Comic wie
eine Sammlung von viktorianischen Groschenheftchen: Jede Episode endet mit
eloquenter Vorausschau auf den nächsten Band. Und natürlich können die Helden
ihren Auftrag erfüllen. Nur wie sie das tun - das ist schon äußerst unterhaltsam.
So begegnet der Leser im Lauf der Geschichte noch verschiedenen anderen
bekannten Figuren - zum Beispiel Sherlock Holmes - und keinen Moment kommt
Langeweile auf. Es werden sogar einige Rätsel der Weltliteratur gelöst.
"The League Of Extraordinary Gentleman" ist nicht so tiefsinnig wie "From
Hell" und kommt ohne Fußnoten-Apparat aus, doch auch hier kann Alan
Moore seinen hintersinnigen Witz ausspielen. Dazu kommen die gelungenen,
ins Expressionistische tendierenden Zeichnungen Kevin O'Neills.
Wie die Umsetzung des Comics in die Kinoversion gelang, kann man jetzt übrigens
im Filmtheater des Vertrauens erfahren.
Es steht aber zu befürchten, dass die Kinoversion die Klasse des Comics
nicht einlösen kann.
Tina Manske
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Verlegt bei
Speed Comics
Literaturkritiken.de, September 2003
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