Leonie Swann: Glennkill

umschlagSchafe, und wie sie die Welt sehen - "Glennkill" ist eine der zauberhaftesten und ungewöhnlichsten Entdeckungen der letzten Jahre und eroberte die Herzen der Leser im Sturm!
Leblos liegt der Schäfer George Glenn im irischen Gras, ein Spaten ragt aus seiner Brust. Seine Schafe sind entsetzt: Wer kann den alten Schäfer umgebracht haben? Und warum? Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, beginnt sich für den Fall zu interessieren. Glücklicherweise hat George seinen Schafen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Unerbittlich folgen sie der Spur des Täters und kommen den Geheimnissen der Menschenwelt dabei nach und nach auf die Schliche - bis es ihnen schließlich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen und den rätselhaften Tod ihres Schäfers aufzuklären.

"Der Debütroman der 30-Jährigen strotzt nur so von Wortwitz, ist warmherzig und spannend - ein tierisches Vergnügen!"
Hamburger Morgenpost

Eines Morgens liegt der Schäfer George Glenn tot im Gras, von einem Spaten an den Boden genagelt. Georges Schafe stehen vor einem Rätsel: Wer kann den alten Schäfer umgebracht haben? Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, beginnt zu ermitteln. Aber wie findet man einen Mörder? Glücklicherweise hat George den Schafen an guten Tagen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Trotz vieler Missverständnisse kommen sie den Rätseln der Menschenwelt mit ihrer Schafslogik nach und nach auf die Schliche und lernen dabei eine Menge Neues über das scheinbar so friedliche irische Dorf "Glennkill" und seine Bewohner. Zwischen Weide und Dorfkirche, Steilklippe und Schäferwagen erwarten Miss Maple und die anderen Schafe der Herde ungeahnte Abenteuer: Nächtliche Diskussionen im Heuschuppen, heimliche Expeditionen ins Dorf, weiche Knie, verzweifelter Mut und eine Menge Weiden und Wiederkäuen sind nötig, bis sie endlich auf der richtigen Fährte sind und es ihnen gelingt, den mysteriösen Tod ihres Schäfers aufzuklären.

Über die Autorin
"Leonie Swann" wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München. "Glennkill" ist ihr erster Roman, der auf Anhieb im deutschsprachigen Bereich wie auch international für Furore sorgte und bisher in 23 Länder verkauft wurde. "Leonie Swann" lebt heute in Berlin.

Leseprobe
 Pfeil Mopple wurde es langweilig. Er reckte den Hals, probierte eine der Geranien im Blumenkasten und kaute geräuschvoll. Othello warf ihm einen gereizten Blick zu. Mopple blickte aus unschuldigen Augen zurück.
Hinter der Glasscheibe war Beth weiß wie Milch geworden.
"Mein Gott", flüsterte sie. "Mein Gott." Dann schien ihr ein neuer Gedanke zu kommen. Sie beruhigte sich etwas.
"Tee?"
Rebecca nickte.
Draußen rumpelte es. Mopple hatte sich auf der Suche nach einer Geranienknospe zu weit vorgebeugt, das Gleichgewicht verloren und saß nun verdutzt auf seinem Hinterteil.
Othello schnaubte. "Mopple, wenn du noch ein einziges Blatt frisst, jage ich dich morgen über die Weide, bis du dünn bist wie eine alte Ziege." Mopple hörte auf zu kauen und kletterte wieder auf die Füße. Maple warf den beiden Widdern einen vorwurfsvollen Blick zu. Die drei nahmen wieder ihre Beobachtungsposten im Schatten der Geranien ein.
Aber Beth und Rebecca waren verschwunden. Stattdessen klimperte Porzellan.
"Sie werde nichts finden", sagte Beths Stimme. "Nicht, wenn Sie die Leute fragen."
"So ein Skandal?", fragte Rebeccas Stimme.
"Unaussprechlich", sagte die Stimme von Beth. "Unaussprechlich schon deshalb, weil niemand etwas weiß. Nur viele harmlose Dinge, die nicht zusammenpassen. Das ganze Dorf ist verrottet, wie ein Apfel, von innen heraus, verstehen Sie? Wie ein Apfel." Mopple verzog das Gesicht. Es war ein Fehler gewesen, in dieses Dorf zu traben. Er wollte gerade von der Blumenbank klettern, als Miss Maple herausbekam, was mit Beth und Rebecca passiert war. Sie waren überhaupt nicht verschwunden. Sie waren nur in zwei Sessel versunken, und jetzt verdeckten die Geranien die Sicht. Ärgerlich.
"Sehen Sie sich das an", sagte Beth. Etwas raschelte auf der Tischplatte.
"Oh", sagte Rebecca.
Beth lachte ein welkes Lachen. "Richtig interessant wird es ernst, wenn ich Ihnen sage, wo ich es gefunden habe."
Maple hielt es nicht mehr aus.
"Mopple", blökte sie leise, aber entschlossen wie ein Leitwidder, "Friss die Geranien. Friss einfach ein Loch in die Geranien. Schnell." Mopple war der schnellste Fresser von ganz Glennkill. Ein paar Büschel Geranien waren für ihn eine Kleinigkeit. Aber Mopple rührte sich nicht. Er stand zwischen Maple und Othello und sah aus, als hätte er sich den Magen verdorben.
"Mopple the Whale!!!" Miss Maple war zornig wie schon lange nicht mehr. Mopple sah sie unglücklich an. Denn drehte er den Kopf zu Othello.
"Friss sie", knurrte Othello zwischen zusammengebissenen Zähnen.
Kurze Zeit später war dort, wo einst die Geranien gediehen waren, Wüste. Jenseits der Wüste konnten die Schafe Beth und Rebecca am Tisch sitzen sehen. Von innen musste es aussehen, als hätte Beth drei Schafsköpfe in den Blumenkasten gepflanzt.
Glücklicherweise kam keine der beiden Frauen auf die Idee, aus dem Fenster zu sehen.
 Copyright Leseprobe: Goldmann

Kritik
 Pfeil Wenn Sie Krimifan sind, denn müssen sie unbedingt Miss Maple kennen lernen, das klügste Schaf von "Glennkill" und möglicherweise sogar das klügste Schaf der ganzen Welt. Miss Maple ist neugierig, hartnäckig, kombinationsstark, und wenn sie will, auch sehr überzeugend. Eine ausgesprochen scharfe Konkurrenz für sämtliche zweibeinigen und vierbeinigen Detektive der Kriminalliteratur. Eine erfreuliche Begegnung dürfte auch die mit Mopple the Whale werden. Er ist, wie schon der Name sagt, das dickste Schaf der Herde. Der umfangreiche und stets hungrige Merinowidder mit seinen runden, geschneckten Hörnern bewundert Miss Maple vorbehaltlos und fungiert gerne als ihr "Gedächtnisschaf". Mopple kann sich nämlich alles sehr gut merken. Interessant dürfte für jeden Krimifan auch das Kennenlernen von Othello sein, dem schwarzen Hebridean-Vierhornwidder, der eine ausgesprochen geheimnisvolle Vergangenheit hat. Nur so viel: Othello war beim Zirkus, und hat seitdem vor nichts mehr Angst. Nicht einmal mehr vor Hunden! Wichtig ist auch noch Sir Ritchfield, der Leitwidder. Schon etwas angegraut hört Ritchfield nicht mehr so gut und sein Gedächtnis lässt auch zu wünschen übrig, aber seine Augen funktionieren noch hervorragend. Manchmal ist er etwas merkwürdig, aber das werden alte Herrschaften ja des Öfteren.
Ein wahres Rätsel gibt dem Leser dann noch Melmoth auf, der Zwillingsbruder von Sir Ritchfield, der eines Tages spurlos verschwunden ist. Oder vielleicht doch nicht? Natürlich gibt es noch eine ganze Menge mehr interessanter Schafe in dieser ungewöhnlichen Herde, aber die lernen sie alle im Laufe der faszinierenden Geschichte persönlich kennen. Und faszinierend ist diese Geschichte nun wirklich und wahrhaftig. Was sich "Leonie Swann" da in "Glennkill" an amüsanten, witzigen und humorvollen Beobachtungen über die vierbeinigen Wollknäuel hat einfallen lassen, wie sie die Menschen und ihre Welt aus der Sicht der weißen und schwarzen Wiederkäuer beschreibt, und wie sie mit Schafslogik und Schafsverstand Ordnung in die sogar aus menschlicher Sicht verworrene Mördergeschichte bringt, das erfordert schon ein großes Maß an Talent und Fantasie. Immer wieder musste ich beim Lesen über eine besonders gelungene Stelle schallend lachen. Immer wieder konnte ich Miss Maples unschlagbar logische Schlussfolgerungen nur kichernd verfolgen, so ungeheuer komisch und treffend beschreibt "Leonie Swann" diese schafsmäßigen Gedankengänge. Und vor allen Dingen konnte ich das Taschenbuch "Glennkill" von "Leonie Swann" kaum mehr aus der Hand legen, so fesselnd und spannend ist diese schier unglaubliche Geschichte über neugierige Schafe und tote Schäfer, fromme Frauen und herzlose Metzger, langnasige Gottesdiener und mysteriöse Fremde, furchtlose weibliche Schafe mit Hörnern und seltsame Widder, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, und nicht zu vergessen das eigenartige und ungeliebte Winterlamm! Ich war richtig traurig, als sich die Geschichte schließlich aufklärte und ich die köstliche vier- und zweibeinige Gesellschaft im irischen "Glennkill" wieder verlassen musste. Aber vielleicht bekommt Miss Maple ja noch einen Fall zum Aufklären.
Fazit: Der Roman "Glennkill" von "Leonie Swann" ist ein rundum prächtig gelungenes Debüt. Humorvoll, witzig, spannend und sehr unterhaltsam. Ich freue mich schon auf ihr nächstes Buch.
Julia Edenhofer

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