Peter Mayle & Gerard Auzet: Geheimnisse eines französischen Bäckers

buchEr wollte Bäcker in ihrem Element erleben und mit eigenen Augen sehen, wie sich Teigberge in köstlich duftendes Brot verwandeln. Er wollte seine Finger durchs Mehl gleiten lassen und ein warmes Thymianbrot in den Händen halten. Also besuchte Peter Mayle die provencalische Kultbäckerei schlechthin - die Boulangerie Auzet. Das Ergebnis: Eine wunderschöne Familiengeschichte, eine Sammlung bewährter Brotrezepte, von ganz einfach bis raffiniert, gewürzt mit Anekdoten rund ums Brot.
Backen war in Frankreich schon immer eine Kunstform. Wer in Avignon, dem früheren Sitz der Päpste, im Spätmittelalter minderwertiges Brot unters Volk brachte, wurde vor seiner eigenen Bäckerei an den Pranger gestellt und mit Stockhieben gezüchtigt.
Die unmenschlichen Strafen trieben die Qualität des französischen Brotes in ungeahnte Höhen. Sie werden es merken, wenn Sie die Rezepte befolgen, die Peter Mayle von dem Meisterbäcker Gerard Auzet erhalten hat.
Von den traditionellen Baguettes und Croissants, über Kürbis- oder Speckbrot bis hin zu Walnuss-Rotwein-Fladen können Sie nun Ihr tägliches Brot selbst zubereiten.

"Peter Mayle" wurde 1939 in England geboren und war erfolgreicher Werbetexter, bevor er 1976 nach Frankreich zog und mit den Bestsellern "Mein Jahr in der Provence" und "Toujours Provence" Weltruhm erlangte. Auch sein letztes Buch - "Ein guter Jahrgang" - stürmte die Bestsellerlisten in aller Welt und wurde erfolgreich verfilmt.
"Gerard Auzet" führt die Bäckerei "Chez Auzet" in dem provencalischen Städtchen Cavaillon, in der Nähe von Avignon.

Leseprobe
Hier wird jeder Laib noch von Hand geformt, faconnage á la main, ein unvergleichlicher, erinnerungswürdiger Anblick. Die vorab gewogenen Teigklumpen (250 g pro Baguette) werden einer nach dem anderen geschlagen, gerollt, gedrückt, gefaltet und gezogen, bis sie die vertraute Form - wenn auch noch nicht die vertraute Farbe - eines Brotlaibs annehmen, den man im Regal als solchen erkennt. Der Prozess hat Ähnlichkeit mit der Arbeit eines Bildhauers, allerdings im Zeitraffer. Das Formen eines Laibs nimmt kaum mehr als dreißig Sekunden in Anspruch, und wenn man diesem Schöpfungsakt ein Dutzend Mal beigewohnt hat, könnte man schwören, dass ein Laib dem anderen aufs Haar gleicht. Aber natürlich sind sie nicht völlig identisch: Es gibt immer geringfügige Abweichungen von der Norm, individuelle Merkmale der Menschlichkeit, die handgemachte Erzeugnisse von maschinell gefertigten unterscheiden.
Diese individuelle Note ist in der nächsten Geburtsphase des Brotlaibs leichter zu erkennen, wenn die dekorativen Feinheiten hinzugefügt werden. Das klassische Baguette wird beispielsweise mit einer Reihe diagonaler Kerben an der Oberseite versehen. Bei "Auzet" werden solche >Operationen< von Hand durchgeführt. Anfangs bilden sie eine klaffende Wunde, entstanden durch einen raschen Schnitt mit einem Spezialwerkzeug, wie ich ursprünglich annahm - einem fleißigen Küchenhelfer des Bäckers -, nur von Profis verwendet als ich bat, das >Skalpell< in Augenschein nehmen zu dürfen, entpuppte es sich als Deckel einer Blechbüchse, scharf und glänzend von jahrelangem Gebrauch.
Binnen Minuten waren aus zwanzig Teigklumpen zwanzig Baguettes geworden. Nachdem jedes Einzelne seine Markierungen erhalten hatte, wurde es auf ein Stück bemehltes Gitterleinen gelegt, wie Wellblech geformt, um einen Laib vom benachbarten zu trennen. Sobald der erste Schwung fertig war, wurde er auf einem langen Holzbrett in den Ofen geschoben.
Als das erste Baguette-Kontingent die Öfen verließ, war es ungefähr halb fünf morgens. Die Laibe waren goldbraun, manche an den Enden eine Spur dunkler. Durch den Backvorgang hatten sich die Einschnitte geweitet und gefüllt, bis sie wie kerben in der Kruste aussahen, mit dem Finger horizontal und quer über dem Laib angebracht.
Gerard nahm ein Baguette und hielt es an seine Nase, ähnlich wie ein Sommelier den Korken einer Weinflasche prüft. Dann drehte er es um und klopfte ein oder zwei Mal gegen die flache Unterseite, wobei ein Laut wie ein gedämpfter Trommelschlag entstand. "Das ist eine Möglichkeit, die Qualität des Brotes zu kontrollieren", sagte er. "Man hört, ob es richtig gebacken ist."
Er reichte mir den Laib, und ich tippte ihn behutsam an, wie ein Novize. Da die warme Luft den Teig ausgedehnt hatte, fühlte sich das Baguette leicht an, als wäre es innen hohl und nicht kompakt. Ich drückte zu: fest, aber elastisch. Ich roch daran. Köstlich. Ich überlegte krampfhaft, um welche Zeit Bäcker wohl frühstückten. Hoffentlich bald.
 Copyright Leseprobe: Blessing

Kritik
Eigentlich bin ich ja ein großer "Peter Mayle" Fan, seine Bücher über die Provence habe ich immer "gefressen", und die Verfilmung von "Ein guter Jahrgang" - die "Ein gutes Jahr" hieß und in der Superstar Russell Crowe die Hauptrolle verkörperte - hab ich mir gleich dreimal angesehen. Also habe ich mich auf die viel versprechenden "Geheimnisse eines französischen Bäckers" richtig gefreut. Das hübsch aufgemachte kleine Bändchen mit rotem Lesebändchen, einigen interessanten Fotos und vielen netten Zeichnungen, war auch anfangs recht gut zu lesen. Amüsant seine Anekdoten über den Coautor, den französischen Bäcker "Gerard Auzet" und seine backende Familie. Interessant und auch überraschend die Details über die französische Backkunst. Erstaunlich die plastischen Beschreibungen der vielen verschiedenen Brotsorten, die eigentlich alle mehr oder weniger mit dem gleichen Grundteigrezept gemacht werden. Ansprechend und Mund wässernd die Aufzählung fast unzähliger Abwandlungen durch diverse weitere Zutaten.
Aber während "Peter Mayle" in "Geheimnisse eines französischen Bäckers" zwar detailliert aufschreibt, warum Küchenluft, Mehl und Wasser immer zusammen 56 Grad ergeben sollten - also 20 Grad für die Küche, 22 Grad für das Mehl und 14 Grad für das Wasser, kleine Abweichungen sind erlaubt und können durch erhitzen oder kälter machen des Wassers aufgefangen werden - hapert es bei den Rezepten. Leider. Das Grundrezept für den traditionellen Brotteig à la Francaise ergibt 4 (!) Baguettes à 40 cm, die möglichst sofort frisch gegessen werden sollen. Die Zubereitungszeit beträgt - je nach Geschicklichkeit - ungefähr vier (!) Stunden. Das wäre ja alles noch nicht so schlimm. Dann nimmt man halt die Hälfte der angegebenen Zutaten, beginnt schon nachts mit der Zubereitung - wie die Bäcker auch - und lädt zum Frühstück die Verwandtschaft oder ein paar Freunde ein. Aber womit ich gar nicht zurechtkam, waren die Mengenangaben. 450 g Mehl und 300 ml lauwarmes Wasser von 30 - 40 Grad Celsius - okay. Aber: 1 1/2 TL Salz und 4 1/2 TL Trockenhefe. Wie groß sind französische Teelöffel? Ich hab in meinem Haushalt ungefähr 3 verschiedene Teelöffelarten. Und sind die Teelöffel gehäuft oder gestrichen? Beim Salz ist die falsche Menge ja nicht so schlimm, schmeckt halt dann ein bisschen salzig, wenn es zu viel ist. Aber bei der Hefe? Nun gut, vielleicht stell ich mich da etwas zickig an, aber ich vermute, dass es doch auch in einer französischen Bäckerei, aus der diese Rezepte stammen, eine Küchen-Feinwaage gibt? Warum also keine überall nachvollziehbaren Angaben in Gramm?
Wenn man dann zu den nächsten Rezepten mit Boules und Batards kommt, kann man im Text versteckt entdecken, dass 4 1/2 TL Trockenhefe wohl 15 Gramm entsprechen. Allerdings brauche ich beim Backen immer nur 10 g Trockenhefe für 500 g Mehl. Tja, dieses Rätsel werde ich wohl nie lösen, ehe ich nicht vier Baguettes oder 2 Boules gebacken habe. Aber richtig irritiert hat mich das Croissant Rezept. Da heißt es: "1. Hefe am Vortag mit lauwarmer Milch und Zucker verrühren. Alle Zutaten bis auf die Butter vermengen. 2. Teig zum Quadrat ausrollen." Was heißt am Vortag verrühren? Morgens? Mittags? Abends? Und warum eigentlich schon am Vortag? Und soll man nun alle Zutaten auch schon am Vortag vermengen? Ist das vielleicht das gewisse Etwas bei diesem Rezept? Oder vielleicht doch nicht? Aber das Tollste ist das mit der Butter. In den Angaben für die Zutaten kommt nämlich nicht ein Gramm Butter vor. Selbst wenn ich jetzt bei einem anderen Croissant-Rezept nachschlage, kann ich ja nicht sicher sein, ob die Mengenangabe auch hier zutrifft. Siehe Hefe. Und solche "Ungereimtheiten" und "fehlenden Angaben" gibt es leider noch öfter im Rezeptteil. Wenn man das Büchlein von vorne bis hinten ganz genau durchliest, kann man sich ein paar Dinge zusammenreimen. Aber ehrlich: wenn ich ein Rezept habe, das ich nachbacken möchte, dann blättere ich doch nicht das ganze Rezeptbuch durch, ob die Angaben auch wirklich stimmen. Wie gesagt: Es klingt alles ganz köstlich. Und ich hätte auch einiges gerne nachgebacken. Aber ich bin nicht bereit, mich vier Stunden in die Küche zu stellen, nur um dann festzustellen, dass vielleicht doch irgendetwas gefehlt hat. Für versierte Baguette-Bäcker ist das alles sicherlich kein Problem. Aber da ich mehr für meine Torten und Plätzchen berühmt und beliebt bin, ist mir das alles zu unsicher. Wirklich schade.
Julia Edenhofer

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