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Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.
Mathias Bröckers und Andreas Hauß

 Cover Buch-Kritik
 Pfeil Vor wenigen Tagen hat der US-Kongress seinen Bericht zu den Anschlägen des 11.9.2001 veröffentlicht. Er kommt dabei zu der Ansicht, die Geheimdienste hätten schwere Versäumnisse im Vorfeld der Anschläge zu verantworten. Konkreten Hinweisen und Warnungen sei nicht nachgegangen worden. Man könne allerdings nicht sagen, ob die fast dreitausend Leben, die an diesem tragischen Tag ein Ende fanden, hätten gerettet werden können.

Von Seiten des Geheimdienstes heißt es, die Hinweise seien zu vage gewesen; Condoleeza Rice, Sicherheitsberaterin der Regierung Bush, spricht immer wieder davon, man habe doch niemals damit rechnen können, dass jemand auf die Idee kommen könnte, Passagierflugzeuge zu entführen und sie in zivile Ziele zu lenken. Mathias Bröckers weist jedoch nach, dass genau DIESES Szenario bei der CIA geübt wurde, und zwar zwei Jahre VOR den Anschlägen und mit einer Boeing 757 - genau dem Flugzeugtyp also, der tatsächlich im Pentagon landete. Zufall? In einer Studie des Think Tanks PNAC (Project for a New American Century) heißt es 1999 zu den Plänen der Aufrüstung der US-Armee zu einer imperialen Streitmacht: "Der Prozess der Transformation wird, obwohl er einen revolutionären Wandel mit sich bringt, voraussichtlich von längerer Dauer sein, außer im Fall eines katastrophalen und beschleunigenden Ereignisses - wie etwa einem neuen Pearl Harbor." Vier Jahre später hat die US-Armee einen Krieg gegen den Irak hinter sich (dem sie immer noch keine Mitschuld an 9.11 nachweisen kann), ist sie wieder einmal zu einer Besatzer- und zur einzigen wirklichen Weltmacht aufgestiegen. Alles Zufall?

Nach seinem Bestseller "Verschwörungstheorien, Verschwörungen und die Geheimnisse des 11.9." ist nun das zweite Buch von Mathias Bröckers zum selben Thema erschienen, diesmal in enger Zusammenarbeit mit Andreas Hauß. "Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9." wendet sich diesmal, wie der Titel schon sagt, nicht irgendwelchen Theorien, sondern den harten Fakten, die seit dem 11.9.2001, also in fast zwei Jahren, ans Licht gekommen sind. Man muss sagen: Dafür, dass hier der selbst ernannte weltbeste Geheimdienst CIA am Werk war, hat er nicht viel herausbekommen. Fast zwei Jahre nach den Anschlägen weiß man nicht viel mehr als zwei Stunden danach. Auf der Fahndungsliste stehen nach wie vor Männer, die sich bereits in den Tagen nach den Entführungen lebend gemeldet haben. Trotzdem werden die Listen nicht aktualisiert - anscheinend interessiert sich niemand wirklich dafür, die wahren Täter zu identifizieren (was anhand von Leichenteilen oder Fingerabdrücken auf den Bordkarten immer noch möglich wäre). Flugschreiber, die die Abstürze überstanden haben müssen, werden von den Geheimdiensten unter Verschluss gehalten. Als Erklärung dient immer wieder der "Schutz der nationalen Sicherheit", doch wessen Sicherheit wird hier tatsächlich geschützt? Eine der erstaunlichsten Erkenntnisse, die das Buch bietet, ist die Gewissheit, dass eine Fernsteuerung der Flugzeuge ohne weiteres möglich gewesen wäre. Dafür sprächen auch die von mehreren Zeugen am Himmel gesichteten C-130-Flugzeuge.

Bröckers und Hauß behaupten nicht, dass sie erklären können, "was wirklich geschah" (wie das einige deutsche Nachrichtenmagazine behauptet haben, allen voran natürlich der "Spiegel"). "Was wir aber belegen können, ist, dass es kein isoliertes 'islamistisches' Kommando war, von dem das 21. Jahrhundert in eine neue Dimension des Terrors gebombt wurde, sondern ein von den Geheimdiensten und der Militärführung der USA und ihrer Verbündeten zumindest unterstützter Plot", so Bröckers in seinem Nachwort. Er behauptet nicht, dass die Anschläge tatsächlich vom Geheimdienst geplant wurden (was er trotzdem durchaus für möglich hält); seine Einschätzung beinhaltet aber durchaus den Plot, wonach der Geheimdienst den 11.9. wissentlich geschehen ließ, um außenpolitisches und militärisches Vorgehen zu legitimieren - was ja auch gelungen ist: Nach neuesten Umfragen glaubt jeder zweite Amerikaner, dass Saddam Hussein in die Anschläge verwickelt ist, obwohl es dafür auch fast zwei Jahre danach keine Beweise gibt.

Gerade im Falle eines Buches, das man sehr ernst nimmt und eines Autors, dessen Engagement man schätzt (was ich tue), gerade in solchen Fällen sollte man als Kritiker besonders kritisch sein. So muss erwähnt werden, dass Bröckers ein ums andere Mal übers Ziel hinausschießt. Dazu gehört seine Interpretation des Gesichtsausdrucks George W. Bushs in den fünf Sekunden, nachdem er die Nachricht vom zweiten WTC-Einschlag erhalten hat, den Bröckers als den eines "verlegenen, schuldbewussten Kindes" deutet. Nun, man kann zu Bush stehen wie man will, solch biedere Küchenpsychologie hat selbst er nicht verdient. Dazu gehört auch Bröckers' allzu pedantische Art, Minuten und Sekunden zu zählen und daraus Widerlegungen der offiziellen Tatversion konstruieren zu wollen (so im Bericht des Direktors der örtlichen Schule von Otis, aus dessen Aussage Bröckers den genauen Zeitpunkt des Aufstiegs von Abfangjägern destillieren will), oder seine Bemerkungen zu den Handy-Gesprächen aus den Flugzeugen, die man laut Bröckers anhand von Handy-Rechnungen belegen können müsse. Wenn man schon pedantisch ist, dann muss man allerdings auch zugestehen, dass die betreffenden Personen Prepaid-Karten benutzt haben könnten, bei denen es einfach keine Rechnungen gibt.

Die Video-CD, die dem Buch beigelegt ist, ist leider wenig informativ, gerade weil sie zu viel Information beinhaltet. Die Gespräche mit Zeugen rund um den Flugplatz in Venice, Kalifornien (ein verschlafenes Rentner-Nest, in dem merkwürdigerweise viele mutmaßlichen Attentäter, darunter Mohammed Atta, Flugstunden absolvierten), sind zwar interessant, aber nach einer Weile viel zu verwirrend, um noch folgen zu können. Dankenswerter Weise ist der Text des Films im Buch nachgedruckt: Beim Lesen kann man viele Verbindungen besser nachvollziehen.

"Wenn dieses Buch eine Wahrheit dokumentieren kann, dann zuerst einmal die, dass investigativer Journalismus spätestens seit dem 11. September 2001 in den Massenmedien nicht mehr stattfindet." Und selbst wenn das die einzige Wahrheit in diesem Buch wäre (und ich befürchte sie ist es nicht) - sie wäre erschreckend genug.
Tina Manske

Tinas Wertung: 10 von 12
 Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria

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