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Elfenheim
Frank Körber

Frank Körber: ElfenheimBuch-Kritik
Eine Geschichte, wie ein unreifer Apfel ...
 Pfeil Myriel ist eine junge Elfe, die den heimischen Wald zusammen mit ihrem Volk verlassen muss, weil die Feuerkobolde ihn zerstören. Der Anführer des Elfenklans, Albaron, führt das Völkchen zurück ins Moor, wo die Wurzeln des Stammes liegen. Hier beziehen sie wieder die alte Eiche, den Stammsitz des Volkes Albarons, die über die Jahrhunderte von den Moorelfen gehegt und gepflegt wurde. Obwohl sich niemand mehr erinnern konnte, wem der Baum gehört, ergriff niemand Besitz von ihm. So findet Albaron für sein Volk die Heimat wieder, an die nicht einmal er sich erinnern kann.

Myriel macht gewöhnt sich schnell an die neue Umgebung und freundet sich mit den Libellen an, mit denen sie allmorgendlich einen Rundflug macht. Dabei spielen sie das Mutprobenspiel: Gewonnen hat, wer das Moormonster mit den Flügeln streift, ohne von ihm gefangen zu werden. Ansonsten verläuft der Tagesablauf der kleinen Elfe recht eintönig: Morgens aufstehen und den Sonnenaufgang atmen, Tänze, Gesänge, Träume und mit Sonnenstrahlen spielen, den Sonnenuntergang atmen und irgendwann schlafen gehen. Doch dann trifft Myriel einige Moorelfen, die eine Birke heilen wollen. Sie laden die Heldin ein, ihnen dabei zu helfen. Sie macht eine Erfahrung, die ihre Vorstellungskraft übersteigt: Der Baum öffnet sich und seine dunklen Erfahrungen verlassen ihn. Dann tanzen die Elfen wie ein Regenbogen um ihn.
Als sie dem Elfenrat ihres Volkes von diesem Erlebnis berichtet, herrschen Staunen und Bewunderung. Myriel ist die jüngste Elfe, die je einem solchen Ereignis beiwohnen durfte. Albaron spürt: Sie wird noch Großes leisten.

Frank Körber versucht, in die Zwischenwelt zu entführen - dahin, wo Elfen und Nymphen, Kobolde und Monstren wahrhaftig sind. Seine Ausdrucksweise will sich dem uralten Volk der Elfen angemessen nähern, doch Ausdrücke wie "kamikazeartig", "Camp" oder "Visualisierung" muten unpassend an, ebenso die Ausdrucksweise der Elfen an sich (siehe Leseprobe) und katapultieren den Leser immer wieder in seine eigene Realität.
Besonders schade ist, dass Myriel nicht gleich am Anfang begleitet wird, sondern der Autor von ihr und viel mehr von ihrer Umgebung berichtet. Dabei bleibt der erhobene Zeigefinger des Naturschützers ständig präsent und die Beschreibungen wirken oft eckig und holperig, sodass es mitunter sehr unbequem wird, den Weg durch die Geschichte fortzusetzen. Zusätzlich wird der geneigte Leser mit vehementen esoterischen Äußerungen und Behauptungen gequält, die Myriels Abenteuer völlig vergessen lassen.
Hier wird dem Leser keine Geschichte erzählt, schon gar kein Märchen, nein, der Leser bekommt eine Gardinenpredigt über das, was die Menschheit dem Elfenvolk angetan hat. Und doch, heißt es auf Seite 38: "Nur der Mensch kann so töricht sein zu glauben, er allein würde dem Wald all das Unheil antun, die Zerstörung hervorrufen oder gar verursachen. Da gibt es ganz andere Ereignisse und Wesenheiten, die sich ungeachtet des blanken Chaos mächtig ins Zeug legen, die Wälder und deren Bewohner bis ins Mark zu schänden. Andererseits: die schändliche Missachtung der Natur durch den Menschen kann natürlich ebenso wenig zu entschuldigen sein"(Zitat Ende). An dieser Stelle hätte ich gern gewusst, um welche Ereignisse es sich handelt und vor allem, was das für Wesenheiten sind, die dem Wald schlimmer zusetzen als der Mensch.

Im Wesentlichen finde ich die zugrundeliegende Idee sehr gut. Umweltschutz ist eine feine Sache, dient sie doch nicht zuletzt den nachfolgenden Generationen. Jedoch wird nicht klar, für wen dieses Buch geschrieben wurde. Anhänger der Lebensphilosophie des Autors müssen nicht mit erhobenem Zeigefinger auf die Probleme dieser Welt hingewiesen werden, benötigen sicher auch nicht diese weit schweifenden Einführungen in die Zwischenwelt, die ihnen geläufig sein wird. Die übrigen Mitmenschen dürften sich durch die esoterischen Belehrungen wohl eher abgeschreckt fühlen.
Jo-Achim Goike

 Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria  Gloria
Wertung: 2 von 10

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 Copyright Jo-Achim Goike für Literaturkritiken.de, 15. März 2005
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