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Eifel-Träume
Jacques Berndorf
Buchkritik
Siggi
Baumeister, der Icherzähler, weiß nicht, woran er gerade
arbeitet. Er befindet sich seit etwa einer Woche in einem persönlichen
Ausnahmezustand, denn genauso lange hat er sein Hemd nicht gewechselt.
Sein Kater Satchmo trauert noch immer um seinen Katzenfreund, mit
dem das Schicksal es für eine Sekunde nicht gut gemeint hat,
der Nachbar Günter hat eine neue Liebe, Hund Cisco tut, als
ginge ihn das alles nichts an. Dann bekommt Baumeister Besuch von
seinem Kumpel Rodenstock. (Herrlich die Beschreibung, wie der Autor "Rodenstock
pur" zelebriert, mit Zigarre, Herrenschokolade und Brandy!)
Allmählich findet Baumeister in den Alltag zurück. Dann
klingelt das Telefon. Er soll einen Artikel schreiben über
die dreizehnjährige Annegret, die, nachdem sie seit mehreren
Tagen vermisst war, gerade tot aufgefunden wurde. Mit eingeschlagenem
Schädel und entblößtem Unterleib. Nicht weit von
ihrem Elternhaus lag sie im Wald. Es wundert die beiden Männer,
dass sie nicht schon früher gefunden wurde, denn seit Tagen
wurde jeder Quadratzentimeter der Umgebung von Polizei und Feuerwehr
umgekrempelt. Ob da vielleicht ein dem Kinde Nahestehender seine
Finger im Spiel hatte?
Baumeister weiß nichts über diesen Fall, der sich quasi
vor seiner Haustür abspielte; er befand sich ja die letzten
Tage nicht gerade in dieser Welt. So erklärt sein Freund Rodenstock
ihm die Zusammenhänge bis Emma, Rodenstocks Frau, vorfährt.
Emma
kommt gerade von einem Besuch bei Baumeisters Tante Anni. Die alte
Dame macht ihr Sorgen. Sie spricht nur das nötigste,
liegt auf dem Bett und rührt sich ansonsten nicht. Emma hat
mit dem Arzt gesprochen, nun soll die alte Dame für ein paar
Tage zur Beobachtung ins Krankenhaus. Am Abend besucht Baumeister
seine Tante, die ihm unmissverständlich verkündet, dass
sie sterben will, oder nicht oder doch ... Auf jeden Fall hält
sie es für wichtig, diesen Schritt nicht aus den Augen zu
verlieren, denn er steht ihr nun einmal bevor.
Baumeister hält diesen Gedanken für vernünftig und
fährt weiter zu Rodenstocks, mit denen er zum Essen verabredet
ist. Hier erfährt er weitere Einzelheiten über den Mordfall.
Auch, dass die Polizei nicht ganz einwandfrei gearbeitet hat, denn
als die Beamten am Fundort eintrafen, war das tote Mädchen
von Schaulustigen umringt. Für Baumeister eröffnet sich
die Aussicht auf eine spannende Story.
Elf Eifel-Krimis mit dem
Journalisten Siggi Baumeister sind bisher erschienen, dies ist
der zwölfte. Diese Tatsache
erschreckte mich, hatte ich doch noch nie einen Eifel-Krimi gelesen
und sollte
nun einen rezensieren. Aber dann wurde ich ganz schnell in die
Handlung gezogen, obwohl ich die Vorgeschichte des Siggi Baumeister
nicht kannte. Schon nach ein paar Absätzen hatte er ein
Gesicht, das auf jeder weiteren Seite an Kontur gewann, ebenso
Rodenstock und all die anderen Figuren.
Die Verbundenheit des
Autors zu seiner Heimat wird auf jeder Seite unaufdringlich deutlich.
Detailliert und liebevoll stellt er Baumeisters
Umgebung dar und ebenso gründlich werden die Figuren in Szene
gesetzt, angefangen bei Baumeisters Haustieren über seinen
Kumpel Rodenstock und dessen Frau, Tante Anni bis hin zu den namenlosen
Nebenfiguren.
Baumeisters Einstellung ("Ich muss das wissen") lässt
ihn verbissen an dieser Story arbeiten, obwohl seine privaten Probleme,
von denen Tante Anni eines ist, im Verlauf des Buches zunehmen.
Seine Ex, Vera, taucht auf und schließlich auch noch seine
Tochter. Dass diese Geschichte vor dem Hintergrund des gerade noch
aktuellen Tagesgeschehens spielt, macht sie noch eindrucksvoller,
und ich bin gespannt, was mir in den ersten elf Büchern entgangen
ist.
Jo-Achim Goike
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Umschlagtext
Leseprobe
Jo-Achim
Goike für Literaturkritiken.de, 16. April 2005
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