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Joe Hill: Blind
Buch-Kritik
 Der
Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum, heißt es bekanntlich.
Und so ist es nur natürlich, dass der Sohn des Horrormeisters "Stephen
King" versucht, in die Fußstapfen seines berühmten
und mehr als nur erfolgreichen Vaters zu treten. Er sei ein ängstliches
und unsicheres Kind gewesen, sagte "Joe Hill", wie er sich
nennt, in einem Interview. Und das ist nicht weiter verwunderlich
wenn man einen Vater hat, der nur über grauenvolle und schauerliche
Dinge schreibt, und der sein Grundstück, wie ich selbst gesehen
habe, mit einem hohen Eisenzaun umgeben hat, auf dessen Spitzen lauter
eiserne Monster sitzen. Er hätte sich lange Zeit nicht für
gut genug befunden, selbst zu schreiben, äußerte "Joe
Hill" in eben jenem Interview. Auch das ist verständlich,
denn der Schatten eines schreibenden Übervaters wie "Stephen
King" ist garantiert entmutigend. Wie soll man an einen derartigen
Meister wie ihn herankommen? Und wie gut er ist, hat er ja gerade
mit seinem jüngsten Werk "Love" bewiesen. Aber "Joe
Hill" hat nach etlichen preisgekrönten Kurzgeschichten
schließlich doch den Sprung zum Romanschriftsteller gewagt
- und auf alle Fälle mit "Blind" schon mal bewiesen,
dass er ganzen Roman mit 428 Seiten zustande bringt.
Wenn man - wie ich - von Anfang an Stephen-King-Fan war, auch als
er noch als "Richard Bachman" schrieb, bleiben Vergleiche
von Vater und Sohn natürlich nicht aus. "Stephen King" hat
in seinen Romanen immer gerne seine Vorliebe für Rockmusik untergebracht.
Judas Coyne, der Held von "Joe Hills" Erstling "Blind" ist
ein alter, 54jähriger Rockstar mit langem Rauschebart. Hör
ich da ZZ Top?. "Stephen King" liebt es, angedeutete Rückblenden
einzuflechten, die sich erst im Laufe der Geschichte entflechten.
Auch "Joe Hill" hat es mit den etwas verwirrenden Rückblenden,
die sich erst gegen Ende des Buches auflösen. "Stephen
King" hat ein unglaubliches Talent, mit wenigen, treffenden
Sätzen Orte zu beschreiben. Ein Talent, dass "Joe Hill" offensichtlich
von ihm geerbt hat. "Stephen King" fängt oftmals immer
wieder bei Adam und Eva an, um auf den Höhepunkt zu kommen,
was bei ihm die Spannung ins Unermessliche steigert. Auch "Joe
Hill" braucht lange, was der Spannung aber nicht so sonderlich
gut tut. Um es kurz zu machen: Wäre "Blind" das Werk
eines Nobodys, würde man sagen: "Der Junge hat seinen Stephen
King gut gelesen". Was sagt man beim Sohn von "Stephen
King"? Es liegt in den Genen? Mich erinnert "Blind" von "Joe
Hill" ganz einfach an einen etwas schwachbrüstigen "Stephen
King" Roman. Sicher, die Story vom alten Rockstar, der sich
mehr oder weniger zufällig den Anzug mit Geist andrehen lässt,
bloß um dann festzustellen, dass er sich wirklich ein Gespenst
eingehandelt hat, und zwar ein ziemlich rachsüchtiges, ist recht
pfiffig. Warum er so rachsüchtig ist, sei nicht verraten, aber
es hat mit einer ehemaligen Gespielin von Jude zu tun. Dass Jude
bei der Bekämpfung des aggressiven toten Mannes die unerwartete
Hilfe seiner beiden Hunde bekommt, ist auch recht einfallsreich.
Dass aber der Rest des Buches eigentlich nur darin besteht, dass
Jude mit seiner Freundin und seinen Hunden vor dem toten Mann flieht,
und in häppchenweisen Rückblenden der Grund für die
Rachsucht des sturen Gespenstes aufgerollt wird, ist teilweise etwas
arg langatmig.
Fazit: "Blind" von "Joe Hill" liest sich ganz
gut und ist auch ganz spannend. Aber irgendwie fehlt dieser Horrorgeschichte
der berühmte Kick, jener Spannungsmoment, der Gänsehaut,
feuchte Hände, schnelleren Atem, und ängstliche Blicke über
die Schulter hervorruft. So, wie es mir halt bei den Romanen seines
Herrn Vaters (fast) immer passiert. Aber "Blind" ist ja
ein Erstlingswerk, und "Joe Hill" hat erst angefangen.
Warten wir auf sein nächstes Buch.
Julia Edenhofer
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Umschlagtext
Leseprobe
Julia
Edenhofer für Literaturkritiken.de, 14.04.07
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