Das Buch  Leseprobe  Einschätzung

Zeichenwelt
Moebius

 Moebius - Zeichenwelt Buch-Kritik
 Pfeil Er hat den modernen Comic entscheidend mitgeprägt: Jean Giraud alias Moebius. Seine Comics zu lesen heißt immer auch, in einen Kontext von Bildern einzutauchen, die wir nicht nur von bunt bedrucktem Papier kennen, sondern auch aus dem Kino. Seit den 60er-Jahren ein gefeierter Zeichner und Illustrator, hat er auch an so bahnbrechenden Filmen wie "Alien" oder "The Abyss" mitgewirkt. Schon lange sieht jeder Sciencefictionfilm so aus, als sei er einem Moebius-Szenario entsprungen - man kann es sich schlechthin nicht mehr vorstellen, wie es auf fremden Planeten anders aussehen soll als auf des Meisters Zeichnungen.

Nun ist in der "Anderen Bibliothek" des Eichborn Verlags der schöne Band "Zeichenwelt" erschienen, der den Künstler in gebührender Weise würdigt und sein Werk in einer Retrospektive mit größtenteils unveröffentlichten Bildern zeigt. Zunächst versucht Andreas Platthaus in zwei Essays dem Phänomen Moebius / Giraud auf die Spur zu kommen, in denen er zum einen dessen Entwicklung von den ersten "Blueberry"-Bänden bis heute beleuchtet und dabei einen Schwerpunkt auf die zuweilen schwierige Doppelexistenz legt, und zum anderen einen Abriss der Comicgeschichte in toto und insbesondere der letzten Jahre mit dem Aufkommen neuer Gattungen präsentiert - als populärstes Beispiel: der Manga.

Kernstück des Buchs ist aber der autobiografische Comic mit dem Titel "Fumetti", in dem Moebius seinen Figuren, aber auch sich selbst begegnet, und der hier zum ersten Mal erscheint. Fumetti ist die italienische Bezeichnung für "Comics" und rührt her von den "Wölkchen", den Sprechblasen. Diese Wölkchen können aber auch Rauchwölkchen sein und damit ein Hinweis auf eine der wichtigsten Inspirationsquellen von Moebius - feinstes Gras.
So ist "Fumetti" hauptsächlich während der Schreibblockaden bei der Arbeit an "Blueberry" entstanden, ist also auch eine Bewältigung der Angst vor dem leeren Blatt. Die Figuren treten aus ihren Kästchen heraus und versuchen ihren Schöpfer dazu zu bewegen, sich weiter mit ihnen zu beschäftigen. Gleichzeitig ist "Fumetti" auch Zeitzeugnis: So erzählt Moebius seinem jüngeren Ich von den Einschlägen im WTC (und outet sich dabei leider als sehr US-regierungsgläubig, aber man mag das dem noch tief sitzenden Schock zuschreiben: das betreffende Blatt ist nur wenige Tage nach 11.09.01 entstanden).

Komplettiert wird "Zeichenwelt" von jeder Menge Abbildungen und Illustrationen Girauds aus vier Jahrzehnten grafischer Arbeit. Ein Fest also für die Liebhaber anspruchsvoller Zeichenkunst, die sich für die Geschichte hinter der Geschichte interessieren.
Tina Manske

 Moebius - Zeichenwelt  Button Bestellen
Bestellen bei "Amazon.de"

Lesen Sie auch
Umschlagtext
Leseprobe

 Button Links
Verlegt bei Eichborn
 Copyright Literaturkritiken.de, April 2003
Werbung
 Einkaufen bei: Amazon.de
 
 
 
Werbung
Copyright Texte und Bilder 2001 - 2007 Literaturkritiken.de oder Lizenzgeber, falls angegeben.
Lesen Sie auch:
FilmHai.de: Film, DVD, Kinostarts und Filmstarts