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Wild Thing - Sextipps For Boys And Girls Paul Joannides
Buchkritik
Ohne die hinlänglich bekannten Klischees über Sex bemühen zu wollen
- Sex gehört zum menschlichen Leben wie Essen und Trinken. Kein Wunder
also, dass es beim Thema Sex, Sexualität und erfülltes Sexleben an
Büchern nicht gerade mangelt.
Obwohl
ich keine Privatbibliothek zum Thema besitze, habe ich bislang wenig Verwertbares
gelesen.
Als die Neuauflage des Buches "Wild Thing" erschien schenkte ich dem
Buch zunächst wenig Beachtung. Dann wunderte ich mich, dass dieses
Buch im "Mosaik-Verlag" erscheint, denn der Verlag spricht ansonsten
überwiegend ein gesetztes Publikum an. Noch mehr wunderte ich mich,
als ich das Buch zu lesen begann. Hoppla!
"Wild
Thing" behandelt sehr viele Themen aus dem Bereich der menschlichen Sexualität.
Sie alle im Einzelnen aufzuzählen sprengte den Rahmen; das Inhaltsverzeichnis
bietet einen Überblick.
Angefangen bei der Anatomie der Sexualorgane, über die Frage: "Wie macht
es das andere Geschlecht und wie mache ich es ihm?" über grundsätzliche
Techniken (Onanieren, Masturbieren) bis hin zu Tipps und Kniffen für eine
erfülltere Sexualität wird (fast alles) behandelt.
An die 570 Seiten
der Hauptthemen schließen sich Buchtipps und ein Glossar an.
Die Namen der Kapitel sprechen für sich und es ist möglich das Buch auf
Grund der gelungenen Strukturierung von Anfang bis Ende zu lesen, oder direkt
das Thema herauszugreifen, das einem gerade unter den Nägeln brennt. Wobei
das Buch für Neugierige ebenso zu empfehlen ist wie für Fortgeschrittene.
Die Geschlechtsteile werden mit Vagina, Klitoris, Penis etc. benannt,
was ein wenig medizinisch klingt, doch ist das besser zu lesen als
eine aufdringlich lockere Autorensprache. Die Artikel selbst wurden
in einer ungezwungenen Sprache verfasst, deren trockener Humor mich
begeistert. Schwarzweiß-Zeichnungen verdeutlichen, was man / frau
gerade liest. Das ist nicht unbedingt jugendfrei, aber wer erwartet
schon jugendfreie Zeichnungen in einem Buch über Sextipps?
Der Autor Paul Joannides bezieht zu den besprochenen Themen eindeutig Stellung.
Er drückt sich nicht um Fragen und stellt Forderungen, die manchen Lesern
vielleicht gegen den Strich gehen werden. Ein einfaches Beispiel: Paul Joannides
plädiert für Empfängnisverhütung. Wobei er die Verantwortung nicht einfach
auf die Frau abwälzt, sondern beiden Partnern den schwarzen Peter zuschiebt,
und verschiedene Methoden zur Empfängnisverhütung beschreibt; mit den derzeit
bekannten Vor- und Nachteilen.
Er fordert aber auch, dass man zunächst an sich selbst testet, was
man sich vom Partner / der Partnerin wünscht. Was im ersten Moment
profan klingt, macht Sinn, denn der Autor fordert immer wieder sich Gedanken
zu machen und in den Partner hineinzuversetzen.
Die Aufforderung sich mit seinem Partner auszutauschen über Probleme, Wünsche
und Neigungen zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Dabei kommt
auch das Thema Verantwortlichkeit nicht zu kurz, denn niemand möchte später
im Freundeskreis über seine sexuellen Vorlieben unterrichtet werden, oder
heiße Fotos von sich selbst im Internet finden.
Der Schwerpunkt liegt bei Heterosexualität, allerdings wird auch das Thema
Homosexualität behandelt. Da viele Tipps sich auf den geschulteren, bewussteren
Umgang mit einander beziehen, ist das Buch für alle sexuell aktiven Menschen
offen. Letzten Endes ist es bei vielen Themen auch egal ob Mann und Frau,
Frau und Frau oder Mann und Mann die Tipps und Kniffe miteinander testen.
Denn: Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es ...
Thomas Maiwald
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Verlegt bei
Mosaik / Goldmann
Literaturkritiken.de, März 2003 | |
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