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Vom Winde verweht
Film und Psychoanalyse
Renate Lippert

 Vom Winde verweht Buch-Kritik
Film und Psychoanalyse: Kommt da zusammen, was zusammengehört? Eine Engführung dieser beiden Themen liegt jedenfalls nahe. Die Entstehungszeit des Films fällt zeitlich sehr eng mit der der Psychoanalyse zusammen: Beide wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts populär. Während sich die Vertreter der Psychoanalyse jedoch aus dem Kino gemeinhin nichts machten, waren die Filmemacher schon bald an der Durchdringung der Psyche des Menschen interessiert. Ist doch Kino auch immer wie ein Traum, den jemand anders von uns träumt und den zu deuten nur zu verführerisch erscheint.

Renate Lippert, selbst Filmwissenschaftlerin und -macherin, hat in ihrem Buch "Vom Winde verweht. Film und Psychoanalyse" versucht, die Parallelen und Überschneidungen zwischen Film und Psychoanalyse aufzudecken. Sie tut dies anhand eines konkreten Beispiels, eines der berühmtesten Filme, die jemals gemacht wurden. Ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den beiden Disziplinen ist die Überdeterminierung.
Wie in der psychischen Performanz, so ist das Übertreiben auch für den Film von äußerster Wichtigkeit. Aber auch Urfantasien und ihre Auflösung zeigen sich, wie im Traum, auch deutlich immer wieder auf der Leinwand: Sei es die Horrorvision, sei es ein Pornofilm oder das tränenreiche Melodram des "Zu-Spät".
Natürlich kommt auch das Genderproblem deutlich zum Tragen. So bemerkt Lippert sehr richtig, dass die erzählerische Stimme im Film immer noch ausschließlich männlich ist. Im Zweifelsfall meldet sie sich als "voice-over" und gibt mit unleugbarer Autorität vor, wie eine Szene zu deuten ist. Die weibliche Stimme wiederum ist lediglich eine schauspielerische oder eine synchronisierende.

Trotz der über weite Strecken sperrigen Sprache Lipperts und der hochtheoretischen Ausführungen ist es faszinierend zu sehen, wie hier in einem "close viewing" die melodramatische Geschichte um Scarlett, Rhett und Tara (als einzige Konstante in Scarletts Leben) mit neuem Leben gefüllt wird. Auch wenn man den Film schon hundert Mal gesehen hat, ist es nicht das geringste Verdienst das Buches, das man ihn sofort nach Abschluss der Lektüre noch einmal sehen will, um das Gelesene für sich selbst zu verifizieren.
Tina Manske

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