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Vergewaltigungslektüren
Zur Codierung sexueller Gewalt in Literatur und Recht
Christine Künzel

 Vergewaltigungslektüren Das Buch
Ausgehend von einer Lektüre der Marquise von O ... (Kleist) verfolgt die Studie das Motiv der "Vergewaltigung in Ohnmacht und Schlaf" bis heute.
Ergänzt durch die historische Darstellung des Diskurses über die Frau als Zeugin und die Frage, ob Vergewaltigung als Gewalt- oder Sexualdelikt aufzufassen ist, deckt die Studie Kontinuitäten in der Codierung sexueller Gewalt auf.

Die Autorin
Christine Künzel, Dr. phil., promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist derzeit Lehrbeauftragte am Literaturwissenschaftlichen Seminar der Universität Hamburg.

Inhalt
Teil I: Vergewaltigung, Ohnmacht und Schlaf: Aspekte einer Tradition kultureller Vorurteile

1. Eine literarische Fallgeschichte: Heinrich von Kleists "Die Marquise von O..." (1808)
Der Fall der Frau Marquise im Urteil der Literaturwissenschaft - Der "Grenzfall" der Marquise - Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger - Notzucht und nicht Eheliche Schwangerschaft - Der Witwenstand - Vergewaltigung im Krieg - Vergewaltigung, Ohnmacht und das Problem des Wissens - Ohnmacht und Wissen oder Der Sieg der Psychologie über die Medizin - Ohnmacht und Vergewaltigung im juridisch-medizinischen Diskurs - Das Problem der Glaubwürdigkeit oder: Wer bezeugt den Zeugen/Zeuger? - Ein Mann, ein Wort - Die Frau, ihr Körper und die öffentliche Meinung - Belagerungszustände - Die Belagerung der Familie - Okkupation von innen - Zwischen "alternativer" und "konventioneller" Vergewaltigungserzählung - Das zweifelhafte Happyend als Gerechtigkeitsparodie?

2. Anmerkungen zu Eric Rohmers Film "La Marquise d'O" (1975)
Wie denn die Wahrscheinlichkeit nicht immer auf Seiten der Wahrheit ist o Füssli und die Folgen: Le cauchemar erotique

3. Einschätzungen der Möglichkeit einer Vergewaltigung im Schlaf in einem Strafprozess Ende des 20. Jahrhunderts
Vergewaltigung im Schlaf als kultureller Topos - Eines der raren Beispiele aus der Rechtspraxis: Ein Fall - zwei Urteile - Das Urteil des Amtsgerichts o Das Urteil im Berufungsverfahren - Eine Tradition des Misstrauens

Teil II: Schule der Frauen oder Der Berliner "Gynäkologen-Prozess" (1984-1986)
1. Ein Jahrhundertprozess
2. "Manche Frauen mögen das...": Das Szenario der beiden Ärzte Herren über "Spiel" und "Ernst" : Zur Macht androzentrischer Deutungsprivilegien - Tatort "Krankenhaus" : Ein anderer Ort der Gewalt - Schrei - Hilfeschrei - Lustschrei
3. "Diese widerliche Brutalität": Das Szenario der betroffenen Ärztin
4. Der Prozess als "Lehrstück": In dubio pro homine

Teil III: Vergewaltigung und das Problem der Glaubwürdigkeit
1. Das Problem weiblicher Zeugenschaft Die Frau als Zeugin - ein rechtshistorischer Exkurs - Die Frau als Zeugin/Klägerin in Vergewaltigungsfällen - Die Lügenhaftigkeit des Weibes und die Weiblichkeit der Rhetorik
2. Ver-rücktes Erzählen: Vergewaltigungstrauma und die Krise des Erzählens Das Gebot der "sofortigen Mitteilung" - Trauma und das Problem der verspäteten Rede - Trauma und das Gebot "realistischen" Erzählens

Teil IV: Musst es eben leiden? Schlussbemerkungen zum Verhältnis von Vergewaltigung, Verletzung und Strafe
1. Der zerbrochene Leib: Vergewaltigungstrauma und Dissoziation
2. Vergewaltigung: Sexual- und/oder Gewaltdelikt?
3. "Gewalt ist nicht Gewalt" : Problematische Aspekte eines engen Gewaltbegriffs

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