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Unendliche Liebe. Jesus spricht ...
Glenda Green
Buch-Kritik
Glenda
Green ist Malerin. Wenn man das Porträt von Jesus, das sie gemäß ihrem realistischen
Stil gemalt hat, betrachtet, muss man sagen: Es gibt Leute, die haben mehr
Talent.
Ihr Stil schafft es nicht am Kitsch vorbeizuschrammen, um nicht zu sagen:
Er versinkt geradezu darin. Nicht auszuhalten, dieser Kitsch. Erinnert ein
bisschen an diesen "Maler des Lichts", dem die Amis seit Jahren die Läden
leer kaufen. Solch ein Kitsch könnte das angespannte deutsch-amerikanische
Verhältnis weiter belasten, wenn zu allen Burgern und Chewinggums auch noch
so was über den Atlantik schwappen würde. Unerträglich.
Bisher ist aber nur ein Buch von Glenda Green, der realistischen Malerin,
über den Atlantik gekommen. Green hatte vor einigen Jahren eine Erscheinung,
und es war der Sohn Gottes in Person, der ihr erschien und ihr Modell saß.
Dabei hatten die beiden einen netten kleinen Plausch über "Gott und die
Welt".
Um es vorweg zu nehmen: Greens Buch erzählt nichts Neues. Jeder, der sich
ein wenig in der esoterischen Ecke umgehört hat, kennt die Argumente, die
sie anführt. Das ist durchaus normal, denn es gibt nur eine begrenzte Zahl
von Wahrheiten, darüber hinaus kann man keine erfinden. Jesu zentraler Satz,
hier wie auch sonst (wie schon in der Bibel übrigens) ist: "Du bist Liebe."
Wenn man das verstanden hat, gibt es nicht mehr viel zu verstehen. Das Problem
ist, dass die meisten Leute noch nicht einmal das verstehen. Wohl deswegen
muss der Sohn Gottes immer mal wieder dran erinnern.
Vieles in "Unendliche Liebe" erinnert an den "Kurs in Wundern", der allerdings
ungleich vielschichtiger und tiefer ist als dieses Buch. Dafür wartet Green
mit einigen netten Anekdoten auf, die das Buch lesenswert machen. Besonders
faszinierend ist, was Jesus über Judas erzählt. Green fragt ihn, wieso er
ihn in den heiligen Kreis aufgenommen habe, obwohl er wusste, dass Judas
ihn verraten würde.
"Er schmiedete seinen Plan ohne Zweifel, um mich an die Macht zu bringen
- SEINE VORSTELLUNG von Macht. (...) Ich nehme an, er dachte, ich würde
sie auf irgendeine Weise überwältigen, wenn sie mich umzingelten. (...)
Er erwartete etwas Wundersames, und das geschah auch, doch das Wunder, welches
sich dann ereignete, ging weit über sein Begriffsvermögen hinaus."
Auch wenn Jesus über die Urteilchen spricht, sich also auf dem Terrain der
Naturwissenschaften befindet, kann man sich der Faszination der Darlegungen
kaum erwehren.
Weniger erquicklich als die Äußerungen Jesu sind die Klischees, die Green
anscheinend auch außerhalb der Malerei verbreitet. Jesus ist natürlich ein
echter Gentleman. Er vermittelt Green, dass sie "auch in (...) Jeans und
Pullovern und mit Ölfarbe im Gesicht" attraktiv wirkt - obwohl dieses Outfit
nicht der Norm der nordamerikanischen Künstlerin entspricht. Aber Jesus
ist tolerant, so kennt man ihn. Immer ein Lächeln auf den Lippen. Er hat
sogar richtig Humor - und er schaut amerikanische Serien wie beispielsweise
"Bonanza". Anhand einer der Episoden veranschaulicht er Glenda die Sache
mit dem Bund des Sohns mit dem Vater. Besser kann man nicht ausdrücken,
dass die Family-Soaps die Gleichnisse des 21. Jahrhunderts sind!
Auch anderes befremdet: So ist Jesus Green zufolge ein echter amerikanischer
Patriot. "Die meisten Kriege sind aus philosophischen oder religiösen Gründen
angezettelt worden. Die amerikanischen Gründerväter erkannten dies und trafen
durch schützende Regeln und Freiheiten entsprechende Vorsorge gegen interne
Konflikte." God's own country eben! Nur schade, dass sie diese Regeln und
Freiheiten extern immer wieder vergessen!
Es tut nichts zur Sache, ob man glaubt, dass Jesus der Autorin erschienen
ist oder nicht, oder ob man überhaupt glaubt oder nicht: Dieses Buch ist
- sieht man sich nur die Zitate Jesu an - voller Wahrheiten. Man darf dabei
nur der Autorin nicht allzu sehr auf den Leim gehen.
Tina Manske
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Verlegt bei
Koha
Literaturkritiken.de, April 2003 | |
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