Das Buch  Leseprobe  Einschätzung

Sushi in Bombay, Jetlag in L. A.
Unterwegs in einer Welt ohne Grenzen
Pico Iyer

 Sushi in Bombay Buch-Kritik
 Pfeil Ein Sohn indischer Eltern, geboren in Großbritannien, dort und in den USA aufgewachsen, nun in einer japanischen Kleinstadt lebend - ist das der Lebenslauf der Zukunft? Man mag es hoffen. Pico Iyer ist ein lebendes Beispiel für eine "globale Seele", jemand, der nicht genau weiß, wo seine Heimat ist - außer vielleicht im Flugzeug über dem Atlantik, in der Businessclass zwischen Stewardessen mit einem Cocktail in der Hand.

Denn Iyer mag es leugnen, es ändert nichts an der Tatsache, dass er einer der Glücklichen ist, die von der Globalisierung ihren Nutzen ziehen. Als Journalisten des Time Magazine ist es ihm vergönnt, am Morgen in Osaka aufzuwachen, um abends in Los Angeles ins beste Restaurant der Stadt zu gehen. Das ist schön für ihn und er scheint seinen Spaß dabei zu haben, aber er vergisst ein bisschen, dass die überwiegende Zahl von Menschen auf der Erde an diesem Globalismus leidet, weil sie zum Beispiel nicht auf Spesen in den besten Hotels übernachten kann und lieber unter den Brücken von L. A. ihre Plätze bezieht. Während er in Japan als arbeitslos gilt, weil er den ganzen Tag daheim an seinem Schreibtisch sitzt und mitten am Tag unrasiert durch die Straßen spaziert, und er sich deswegen doch tatsächlich als total "anders" vorkommt, gibt es Menschen auf dieser Welt, die tatsächlich keine Arbeit haben.
Iyers Perspektive blendet solche Probleme aus, "global" möchte man fast sagen. Pico und seine globalen Freunde sind rund um die Erde und rund um die Uhr erreichbar, per Email, Fax, weltweit gültiger Telefonnummer, Beeper, und trotzdem sind sie, so Iyer, die am wenigsten ehrgeizigen Menschen auf der Welt. So ganz glaubt man ihm das nicht.

Aber das Buch hat auch seine guten Seiten, zum Beispiel wenn Iyer am Flughafen umherstreift (angeblich hat er dort auch mehrere Tage gelebt) und die Geschichten der Leute dort aufschreibt. Gestrandete, Aufbrechende, Hoffende, Lebenskünstler trifft man dort, und nie kann man sich sicher sein, wen man gerade vor sich hat. Das Aussehen sagt immer weniger über die Geschichte der Menschen aus, und das ist das eigentlich Positive an unserer immer stärker vernetzten Welt.

Schwer wiegt jedoch der Verdacht, dass man es mit einer schlechten Übersetzung zu tun hat. Jedem Satz merkt man an, dass er ursprünglich ein englischer war. Der Übersetzer Carl Freytag hat mit dieser Arbeit sicher nicht sein Glanzstück abgeliefert. Schwer kämpft man sich durch die Seiten, durch kryptische Sätze, und man wünscht sich, das Buch lieber als Original zur Verfügung zu haben. Es ist anzunehmen, dass dort die Sätze sehr viel weniger anmaßend und prätentiös klingen.
Tina Manske

 Sushi in Bombay  Button Bestellen
Bestellen bei "Amazon.de"

Lesen Sie auch
Umschlagtext
Leseprobe

 Button Links
Verlegt bei S.Fischer
 Copyright Literaturkritiken.de, April 2003
Werbung
 Einkaufen bei: Amazon.de
 
 
 
Werbung
Copyright Texte und Bilder 2001 - 2007 Literaturkritiken.de oder Lizenzgeber, falls angegeben.
Lesen Sie auch:
FilmHai.de: Film, DVD, Kinostarts und Filmstarts