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Schluss mit lustig
Warum Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz,
Teamgeist und Soft Skills
Judith Mair
Buch-Kritik
Judith
Mair ist Geschäftsführerin eines Kommunikations-Büros in Köln. Sie weiß
also, wovon sie spricht, wenn sie die Arbeitswelt in den deutschen Unternehmen
als "aus den Fugen geraten" umschreibt. Werte wie Pünktlichkeit, Ordnung,
Disziplin und feste Hierarchien scheinen schon lange aus der Mode gekommen
zu sein.
Stattdessen werden diejenigen belohnt, die sich endlos in den Vordergrund
labern und möglichst bis zehn Uhr abends im Büro sitzen - wer pünktlich
um sechs geht, macht sich verdächtig, möglicherweise nicht genug motiviert
zu sein. Wer jemals bei einem Vorstellungsgespräch mit den Worten abgekanzelt
wurde, dass seine Qualifikationen sehr überzeugend seien, jedoch "der Mitbewerber
sich einfach besser verkauft" hätte, der weiß spätestens dann, dass der
Schein mehr zählt als das Sein.
Mair argumentiert pointiert und mit dem nötigen Biss. Hierarchien, so die
Autorin, sollten in den Unternehmen wieder etwas gelten, denn die so viel
gepriesene Selbstständigkeit und "Vertrauensorganisation" ist ein Mogelpaket:
Dem Mitarbeiter wird dabei etwas aufgebürdet, was der Manager zu leisten
hat, da er dafür letztendlich bezahlt wird, nämlich den Mitarbeitern zu
sagen, was sie zu tun und wie sie es zu tun haben. Auch die emotionale Intelligenz,
von der keiner so richtig sagen kann, was sie überhaupt darstellt, wird
von Mair als Luftblase entlarvt, denn sie fördert die "Geringschätzung von
fachlicher Qualifikation und Wissen".
Judith Mair kann man also in vielen Punkten unumwunden Recht geben, und
ihr Buch ist auch weitgehend unterhaltsam zu lesen. Das Problem ist nur,
dass ihr eigenes Konzept auch nicht gerade einladend wirkt: In Mairs Firma
gelten feste Regeln, darunter die, dass man nicht mit dem Kickboard zur
Arbeit zu fahren hat und gewisse Begriffe wie "work flow" oder "Meetings"
nicht nur verpönt, sondern verboten sind.
Sollte es nicht der freien Entscheidung des Mitarbeiters überlassen sein,
mit welchem Verkehrmittel er sich an seinen Schreibtisch begibt, solange
er pünktlich dort ankommt? Und sind Wortverbote nicht ungefähr genauso dumm
wie die Verordnung einer möglichst häufigen Verwendung solcher Begriffe?
Mair schießt leider genauso ins Kraut wie die von ihr angeprangerten New-Economy-Fuzzis,
die mittlerweile eh schon den Weg alles Zeitlichen gegangen sind. "Schluss
mit lustig!" kommt mindestens anderthalb Jahre zu spät, denn die Firmen,
die Mair hier beschreibt, sind entweder in der Minderheit oder eben längst
pleite. Es ist schon lange schluss mit lustig in Deutschland.
Tina Manske
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Eichborn
Literaturkritiken.de, April 2003 | |
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