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Russendisko
Wladimir Kaminer
Das
Buch
Wladimir Kaminer zeichnet ein witziges und fein beobachtetes Porträt
vom "ganz normalen Wahnsinn" in der jungen Hauptstadt Berlin: das
hinreißende Debüt eines unverwechselbaren Erzähltalents.
Mein Vater sehnte sich nach neuen Aufgaben., nach Verantwortung und Kampf
um Leben und Tod. So kam er auf die Idee, den Führerschein zu machen. Damit
war er erst einmal für die nächsten zwei Jahre beschäftigt.
Sein erster Fahrlehrer sprang mitten im Verkehr aus dem Auto. Der zweite
weigerte sich schriftlich, mit ihm im selben Wagen zu sitzen. "Beim Fahren
betrachtet Herr Kaminer unentwegt seine Füße", schrieb er in einer Erklärung
an den Fahrschulleiter.
Natürlich war das eine Lüge. Es stimmte schon, dass mein Vater während der
Fahrt nie auf die Straße schaute, sondern nach unten. Dabei starrte er jedoch
nicht auf seine Füße, sondern auf die Pedale, um nicht auf das falsche zu
treten.
"Man würde diese Geschichten unterschätzen, nähme man an ihnen nur das Skurrile
wahr. Was an ihnen so frappiert, ist außer dem genauen Blick ein geradezu
erschütterndes Wohlwollen des Autors gegenüber seinen Figuren." Frankfurter
Allgemeine Zeitung
Berlin ist schon eine ganz besondere Stadt. Da gibt es die Griechen, die
Italienisch sprechen, weil sie eine Pizzeria besitzen: da ist Katja, die
mittels Meskalinkakteen Geist und Körper voneinander löst, bis beide schließlich
in getrenntem Zustand in die Psychiatrie eingeliefert werden müssen.
Da ist Klaus, der dank der Radiosendung "Russisch für Kinder" seine Sprachkenntnisse
erweitern will und bei seinem ersten Besuch in Moskau hinter Gittern landet.
Und da ist Wladimir Kaminers Vater selbst, der sich mit 68 Jahren entschließt,
nach Deutschland auszuwandern, wo er alsbald die Herausforderung des russischen
Alltags vermisst und zum Ausgleich beschließt, sich als Fahrschüler dem
Überlebenskampf und Nervenkitzel im Straßenverkehr zu stellen ...
"Nie etwas ausdenken, sondern dem Leben vertrauen", so lautet das Motto
Wladimir Kaminers, des jungen russischen Schriftstellers, der seit knapp
zehn Jahren in Deutschland lebt. Als Teil einer Welle jüdischer Emigranten
war er von Moskau nach Berlin gekommen, da er dort ein besseres Leben und
eine eigene Wohnung zu finden hoffte.
Doch er fand viel mehr: ein Land, das mit der Wiedervereinigung vor der
größten Herausforderung seiner jüngeren Geschichte stand, und eine Stadt,
welche Künstler, Intellektuelle, Verlierer und hoffnungslose Idealisten
in ihren Bann zog. Die Begegnungen mit diesen Menschen verwandelt Kaminer
in unvergessliche Geschichten, die mit Charme und unverwechselbarem Humor
jeder seiner Figuren ein kleines Denkmal errichten. Dass er dies nicht in
seiner Muttersprache tut, ist im Übrigen dem russischen Lehrbuch "Deutsches
Deutsch zum Selberlernen" zu verdanken, das er mit seinen Lektionen um den
glücklichen Komsomolzen Petrov den Grundstock für Kaminers Sprachkenntnisse
legte.
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung
zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie
am Moskauer Theaterinstitut.
Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin, wo
er inzwischen als freier Autor und kreatives Multitalent so bekannt wie
erfolgreich ist.
Kaminer veröffentlicht regelmäßig Texte auf den "Berliner Seiten" der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung", hat eine eigene Kolumne in der "taz", eine wöchentliche
Sendung namens "Wladimirs Welt" beim "SFB4" Radio MultiKulti, wo er jeden
Samstag seine Notizen eines Alltags-Kosmonauten zu Gehör bringt, und er
organisiert im "Kaffee Burger" Veranstaltungen wie seine inzwischen berüchtigte
"Russendisko".
Außerdem arbeitete Kaminer von 1990 bis 1998 bei zahlreichen Theaterprojekten
als Dramaturg, Regisseur und Schauspieler mit. Die Erzählsammlung "Russendisko"
ist sein erstes Buch.
Inhalt
Russen in Berlin
Geschenke aus der DDR
Vaters Rat
Die erste eigene Wohnung
Mein Vater
Meine Mutter unterwegs
Süße ferne Heimat
Meine Frau allein zu Haus
Mein erster Franzose
Alltag eines Kunstwerks
Raus aus dem Garten der Liebe
Fähnrichs Heirat
Beziehungskiste Berlin
Die russische Braut
Nur die Liebe sprengt die Welt
Das Mädchen und die Hexen
Suleyman und Salieri
Russischer Telefonsex
Die Systeme des Weltspiels
Die Mücken sind anderswo
Spring aus dem Fenster
Ein verlorener Tag
Die Frau, die allen das Leben schenkt
Geschäftstarnungen
Der türkische Kater
Der Russenmafiapuff
Nie wieder Weimar
Nüsse aus aller Welt und deutsche Pilze aus Sachsen
Der Professor
Mein kleiner Freund
Die Birkenfrau
Doppelleben in Berlin
Bahnhof Lichtenberg
Stalingrad
Wie ich einmal Schauspieler war
In den Schützengräben von Stalingrad
Political Correctness
Die Russendisko
Das Frauenfrühlingsfest
Der Columbo vom Prenzlauer Berg
Stadtführer Berlin
Die neuen Jobs
Der Radiodoktor
Berliner Porträts
Die schreibende Gräfin
Das Mädchen mit der Maus im Kopf
Langweilige Russen in Berlin
Deutschunterricht
Der Sprachtest
Warum ich immer noch keinen Antrag auf Einbürgerung gestellt habe
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