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Rainer Maria Rilke: Recital R. M. Rilke
Gesprochen von Vera Oelschlegel und Hans-Peter Minetti
Hörbuch-Kritik
Und
nochmals Rilke. Im Gegensatz zu den CDs von Schönherz
und Fleer wird er in dieser schönen Edition allerdings nur spärlich
musikalisch untermalt - und wirkt daher doppelt so gut.
Beherrscht wird die CD von einem der berühmtesten Texte Rilkes: dem Prosalyrik-Stück
"Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke", ein beeindruckendes
Stück Kriegsliteratur aus einem der letzten Kriege, in dem sich die Männer
noch in den Gräben gegenüberstanden. Die beinahe orgiastische Erfahrung
des Cornets im Tod zeigt Rilke als einen Idealisten, der noch an das Aufgehen
in einer göttlichen Erfahrung glaubt. Und doch steht am Ende, wie in allen
Kriegen zuvor und danach, nur die sehr diesseitige weinende Mutter.
Vera Oelschlegels abgeklärte Stimme und ihre einfühlsame Interpretation
lassen diesen Text auf faszinierende Weise neu erstehen. Der Krieg auch
als universelles Schauspiel, ob nun in den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts
oder heute am Golf: die Parallelen sind deutlich, auch wenn jetzt präziser
gefochten werden mag. Die Jungs an den Geschützen sind immer noch nicht
viel älter als 18, und ihre Träume sind dieselben.
Ein weiterer Höhepunkt: "Orpheus. Eurydike. Hermes", gesprochen von Minetti.
Ebenso geduldig wie die aus dem Hades zu führende Eurydike spricht Minetti
das Gedicht von der gescheiterten Wiedervereinigung der beiden mythischen
Gestalten.
Dazu - zwischen den Texten, gleichsam als Gegenpol und Absatz - leise Klavierstücke
von Frederic Chopin, gespielt von Andreas Pistorius, die diese CD zu einem
wahren Fest für die Ohren machen. Kaufen und genießen!
Tina Manske
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