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Liebe als Kulturmedium
Werner Faulstich, Jörn Glasenapp (Herausgeber)
Buch-Kritik
"Liebe ist und wird so alt wie die Menschheit" heißt es apodiktisch
auf dem Buchrücken. Da stellt sich die Frage: Stimmt das denn? Ist
es doch vielmehr so, dass die Liebe erst aus dem Sexus entstand, der
auf jeden Fall zuerst da war, nämlich aus der Notwendigkeit, seinen
Genpool mit dem bestmöglichen erhältlichen Genpool zu verschmelzen.
Das heißt, nur weil es unseren Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opas und -Omas auffiel,
dass man besser überlebt und mehr und gesündere Nachkommen hat, wenn
man einen Partner findet, der zuverlässig ist und sich auch mal um
die Kinder kümmert, und dass es am besten ist, wenn man sich einigermaßen
leiden kann, weil man dann lieber und länger zusammenbleibt, hat die
(romantische) Liebe überhaupt eine Chance bekommen.
Ob sie sich bewährt hat, darum wird heute noch heftig gestritten. Aber das
Liebe nicht zur Natur, sondern zur Kultur (wenn man diesen Gegensatz sich
noch anzuführen traut) zu zählen ist, darüber ist man sich einig. Sicherlich
hat es die Natur ursprünglich nicht vorgesehen, dass sich ein leidender
Werther wegen unglücklicher Hormonstauungen eine Kugel in den Kopf schießt
- dazu musste erst die Idee der romantischen Liebe geboren werden. Sonst
müsste das Buch ja auch "Liebe als Naturmedium" heißen.
Dieses Buch vereint verschiedene Aufsätze zum Thema Liebe und Eros in der
Kultur. Werner Faulstich berichtet von der Entstehung der romantischen Liebe
im 18. Jahrhundert, die besonders über das Medium des bürgerlichen Romans
den Weg in die Herzen fand.
Jörn Glasenapp hingegen beschäftigt sich in einem interessanten Artikel
über die Zusammenhänge zwischen Hochzeit und Fotografie, wie die erste nicht
ohne die letzte sein kann und wie dabei Liebe und Eros inszeniert werden.
Christian Steininger schließlich geht der Frage nach, wie die Liebe in Zeiten
der medialen Reproduzierbarkeit als ökonomisches Gut unter vielen zu überleben
versucht. Aber man darf doch optimistisch sein, dass die Liebe tatsächlich
so lange am Leben bleibt wie die Menschheit - die Hoffnung und die Liebe,
so spät Geborene sie auch sind, sterben nun mal zuletzt.
Tina Manske
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Verlegt bei
Wilhelm-Fink-Verlag
Literaturkritiken.de, März 2003 | |
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