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Lexikon der Städtebeschimpfungen
Boshafte Berichte und Schmähungen von Aachen bis Zürich
Walter und Eva Krämer
Buch-Kritik
Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und es ist eine
Wonne, wenn man liest, was jemand über eine Stadt schreibt, der man
selbst entfloh, oder in der man salopp gesprochen nicht tot überm
Zaun hängen möchte.
Zum Beispiel Osnabrück: "Gott schuf Osnabrück in seinem Zorn, dort gibt
es keinen Wein, das Brot ist schwarz, die Mädchen sind hässlich und alles
ist furchtbar teuer."
Sophie von der Pfalz (1630 - 1714)
Leider vergaß die gute Sophie hinzuzufügen, dass das Wetter eines der grausamsten
ist in ganz Deutschland, denn Osnabrück liegt in einem Talkessel und somit
regnet es fast ununterbrochen. Keine Widerrede ich habe dort gelebt und
bin froh dieses Regen-Loch verlassen zu haben.
"Wer zulange dort lebt, bekommt den Provinzblick (in Bezug auf Kultur)."
Heidi (dem Autor bekannt).
Aber natürlich gibt es auch andere Meinungen zu Osnabrück. Ein Freund von
mir zog nach Hamburg und bekam dort furchtbare Sehnsucht nach Osnabrück.
Deshalb ging er regelmäßig bei "Aldi" einkaufen, weil der "Aldi" in Hamburg
genauso aussah wie der "Aldi" in Osnabrück. Tja, Leute gibt's. (Der Kontakt
zu besagtem Freund riss dann irgendwann ab.)
Was weiß das Buch über meine aktuelle Wahlheimat München? "Eine überfüllte
Dauerparty mit neureichen Zugereisten, die sich Münchner nennen."
Bruno Jonas (*1952).
Da hammas!
"Das Lexikon der Städtebeschimpfungen" sammelt Texte aktuellen und älteren
Datums, beschimpft Städte der ganzen Welt, überwiegend allerdings deutsche
Städte - wo kämen wir sonst auch hin! Am Ende hieß es dann wieder Ausländerfeindlichkeit.
Die Länge der einzelnen Lästereien und Hasstiraden reicht von Mehrzeilern
bis hin zu ganzseitigen Erfahrungsberichten. Zudem bietet das Buch knapp
einseitige Biografien der berühmtesten Lästerer, die im Buch zu Wort kommen.
Was das Buch leider vermissen lässt sind genauere Datierungen der Entstehungszeit
der Texte. Anhand der Geburts- und Sterbedaten lassen sich die Texte grob
einordnen, doch leider nur grob, denn außer der wirklich schönen Lästereien
sind die Texte auch ein Spiegel der jeweiligen Epoche.
Thomas Maiwald
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Eichborn
Literaturkritiken.de, März 2003 | |
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