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Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge
Jürgen Brater
Buch-Kritik
Der Mensch ist schon ein reichlich merkwürdiges Wesen mit einigen
reichlich komischen Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen. Meist fallen
einem die besonders bei den Mitmenschen auf. Wie zum Beispiel, mag
man sich als Nichtraucher fragen, (1) kann man sich, selbst als starker
Raucher, gleich nach dem Aufwachen und noch vor dem Frühstück eine
Zigarette anzünden? Wohl extreme Sucht. Und warum (2) behaupten nervende
Mütter so häufig: "Ich kann allein am Klang des Schreiens meines Babys
erkennen, ob es Hunger hat oder Schmerzen"? Wohl gnadenlose Selbstüberschätzung.
Aber spätestens dann, wenn man kurz vor der Abschlussprüfung oder einem
Bewerbungsgespräch von extremem Durchfall und den berühmten "Flugzeugen
im Bauch" geplagt wird, kommt einem wieder zu Bewusstein: Auch mein Körper
hat ein ganz schönes Eigenleben.
Tatsache ist: Der menschliche Körper samt seiner Psyche bietet ein immenses
Sammelsurium von höchst erstaunlichen und faszinierenden Vorgängen, denen
wir oft keine Beachtung schenken, weil sie uns so normal vorkommen. Aber
manchmal fragt man sich doch: Was steckt dahinter?
Jürgen Brater ist es gelungen, ca. 500 Fragen, die jedem von uns schon mal
so oder anders durch den Kopf gegangen sind, aufzuzeichnen und Antworten
dafür zu finden, die jeder Nicht-Mediziner nicht nur verstehen, sondern
auch mit Interesse aufnehmen kann, ohne gähnend vor Langeweile und mit Fremdwort-Vergiftungserscheinungen
vom Stuhl zu fallen. Es ist durchaus unterhaltsam, in dem Buch zu schmökern
und dabei auch Antworten auf Fragen zu finden, von denen man nicht einmal
wusste, dass man sie hatte.
Brater ist prädestiniert: Er hat selbst jahrelang als Zahnarzt praktiziert,
ist ausgebildeter Mediziner und weiß wovon er spricht. Und das Ganze kommt
dann wie gesagt auch noch ganz witzig rüber, dabei aber nicht anbiedernd,
sondern immer kompetent. Was man Brater ganz besonders anrechnen muss, ist,
dass er auch die "unangenehmen" Körpererscheinungen wie Fürze oder andere
Ausdünstungen nicht ausspart. Schließlich ist das alles ganz menschlich.
Übrigens: Bei (1) handelt es sich um das Phänomen, dass eine Zigarette das
heftige und lästige Husten am Morgen eindämmt (durch "Betäubung" der Flimmerhärchen).
Und was die nervenden Mütter angeht: Es handelt sich wirklich um Selbstüberschätzung
(2). Lesen Sie's nach.
Tina Manske
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