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Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge
Jürgen Brater

Lexikon der rätselhaften KörpervorgängeWarum haben wir im Auto immer das Gefühl, auf der langsameren Spur zu fahren?
Es scheint wie verhext: Egal auf welcher Spur wir fahren, immer haben wir das Gefühl, dass die Autos auf der Nebenspur zügiger vorankommen. Hoffnungsvoll wechseln wir die Fahrbahnseite, doch kurz darauf sind wir schon wieder überzeugt, die langsamere Spur erwischt zu haben.
Drei Jahre lang gingen Wissenschaftler der Universität von Toronto und der Stanford University der Frage nach, worauf dieses Phänomen beruht, und kamen dabei zu dem Schluss, dass wir einer optischen Täuschung unterliegen.
Der falsche Eindruck entsteht, weil sich die Abstände zwischen den Autos ständig verändern. Hat sich - etwa vor einer Ampel oder einem Hindernis - eine Schlange gebildet, zieht sich diese relativ schnell auseinander, sobald das Hindernis umfahren ist. Nach wenigen Minuten - das ergaben Computersimulationen und Videoaufnahmen - befinden sich die Autos aber wieder knapp hintereinander. So kann ein Autofahrer auf der anderen Spur schnell viele Fahrzeuge überholen, die dann wieder längere Zeit brauchen, um ihn zu passieren. Außerdem hat ein Autofahrer das Fahrzeug, das ihn überholt, länger im Blick als dasjenige, an dem er selbst vorbeifährt. Er behält also gewissermaßen das "Ärgernis" länger im Auge als seinen eigenen "Erfolg"'.

Warum ist Gähnen ansteckend?
Jeder kennt das: Egal, wie fröhlich die Runde und wie gut die Stimmung ist, sobald der Erste anfängt zu gähnen, gähnen bald alle anderen mit - und kurz darauf gehen alle nach Hause.
Gähnen wirkt in höchstem Maße ansteckend, und in dem zwischenmenschlichen Signal, das damit übermittelt wird - keinesfalls in vermehrter Sauerstoffaufnahme -, scheint auch seine eigentliche Aufgabe zu liegen.
Als anschauliches Beispiel werden gern die Paviane angeführt: Am Abend, wenn die Herde in kleinen Gruppen gemütlich versammelt ist, fängt irgendwann einer an zu gähnen, und bald tun es ihm die anderen nach. Wenig später machen sich alle auf den Weg zu den Schlafplätzen. Das Gähnen stellt bei den Pavianen lediglich ein Signal dar, dass nun Schlafenszeit ist, und soll nach Ansicht von Wissenschaftlern möglicherweise bewirken, dass die ganze Herde zur selben Zeit schlafen geht und kein Spätheimkehrer die ruhende Sippe stört. Bei uns Menschen, deren Vorväter ja auch in ähnlichen Horden lebten, ist das ansteckende Gähnen deshalb wohl lediglich ein rituelles Überbleibsel aus kämpferischen Urzeiten.
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