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Das Lexikon der Geschmacklosigkeiten
Karl Shaw
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Radikalkuren gegen Glatzköpfe
1 1916 wurde der Wiener Professor Ludwig Steinach weltberühmt, nachdem er
die revolutionäre Behauptung aufgestellt hatte, dass eine Sterilisation
gegen Kahlheit und den Verlust der Manneskraft half. Tausende von Patienten
strömten in Steinachs Klinik, darunter auch Sigmund Freud. Keinem von ihnen
wuchs ein neuer Haarschopf, aber viele hatten mit schwer wiegenden psychologischen
und gesundheitlichen Problemen, beispielsweise Hodenkrebs, zu kämpfen.
2 Die alten Ägypten versuchten den Verlust ihres Haupthaares mit Schlangenöl
und Fiedermausohren aufzuhalten.
3 Die Chinesen glaubten, Haarausfall durch den Genuss von Rattenfleisch
verhindern zu können.
4 In der Tudorzeit rieb man sich den Schädel mit Hunde- oder Pferdeurin
ein, was angeblich gegen Haarausfall helfen sollte.
5 Ein in Panama momentan sehr beliebtes Mittel mit dem Namen "Blasensirup"
verspricht Abhilfe bei Kahlheit, Impotenz und schlechten Zähnen. Das Gebräu
wird aus Affenblasen, grünem Tee und Honig hergestellt und kostet 4 US-Dollar
pro dreißig Gramm.
6 Mexikaner reiben sich bei gesundheitlichen Problemen mit Wachs ein, das
aus den Stöcken von Killerbienen stammt. Bei Kahlheit und Hämorrhoiden wird
das Wachs einfach auf die Problemzonen aufgetragen.
7 Viele Bauern in Norwegen schwören bei Kahlköpfigkeit noch heute auf ein
aus dem 19. Jahrhundert stammendes Rezept. Dabei wird der jeweilige Glatzkopf
zwei Mal die Woche für zwanzig Minuten mit einer Packung aus Kuhmist behandelt.
8 Im 17. Jahrhundert, bevor Perücken für beide Geschlechter in Mode kamen,
nähten sich kahlköpfige Männer in England Büschel falscher Haare auf die
Innenseite ihrer Hutkrempe.
9 Der Gründer der Ford Motor Company, Henry Ford I., wusch sich die Haare
grundsätzlich mit Wasser, in dem rostige Rasierklingen schwammen. Offenbar
glaubte er, dass rostiges Wasser den Haarwuchs anregte.
10 Es gibt kein bekanntes Mittel gegen männliche Kahlköpfigkeit, das die
Hoden ungeschoren lässt. Am Haarausfall beim Mann ist das männliche Sexualhormon
Testosteron schuld, daher ist Kastration die einzige plausible Lösung. Zu
den Nebenwirkungen einer Kastration gehören unter anderem der Verlust der
Körperbehaarung, eine Fistelstimme, die Tendenz zur Fettleibigkeit, Schlaflosigkeit,
eine schwache Blase und nachlassendes Sehvermögen.
Heyne
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