|
   
Lexikon der Exzentriker
Karl Shaw
Buch-Kritik
Streng genommen ist das Buch "Lexikon der Exzentriker" eher eine Anekdotensammlung
als ein Lexikon, aber das tut dem Buch keinen Abbruch.
In 16 Gruppen aufgeteilt hat der Autor tief in der Geschichte gewühlt und
eine gewaltige Sammlung an männlichen und weiblichen Exzentrikern zusammengetragen.
Bislang dachte ich, dass wahrscheinlich die Engländer die meisten Exzentriker
hervorgebracht hätten - doch weitgefehlt. Exzentrisches Verhalten ist weder
an Nationalität noch Rasse oder Geschlecht gebunden. In jedem Alter und
jedem gesellschaftlichen Stand gibt es Menschen die aus der Masse ausscheren.
Hinter der schlichten gelben Binde verbirgt sich ein schöner Leineneinband
in strukturierter Optik. Es ist wahrscheinlich Zufall dass das Buch in kirchlichem
lila daherkommt - aber es ist auch ein schönes Zusammentreffen, denn die
kirchlichen Exzentriker kommen im Buch nicht zu kurz.
Die Länge der Texte variiert je nach Exzentriker zwischen wenigen Zeilen
und ganzen Buchseiten. Die Natur des behandelten Stoffes macht das Buch
sehr leicht lesbar und sein Umfang von über 470 Seiten macht es zu einem
echten Lexikon (rein seitentechnisch).
Vielleicht werde ich eines Tages das Buch meinem Vater schenken, der leider
in diesem Buch fehlt. Mit seinem extremen Hang zur Sparsamkeit hätte er
sicher gute Chancen auf einen Eintrag gehabt.
Einige Beispiele:
- Wenn es bei uns mittags Bratheringe aus der Dose gab, dann trank mein
Vater die Tunke, in der die Fische schwammen. Goss meine Mutter die Tunke
weg, machte er ihr regelmäßig eine Szene wegen Verschwendung.
- Gab es bei uns ein leeres Marmeladenglas, dann spülte es mein Vater sorgsam
mit Wasser aus und trank danach das Marmeladen-Wasser. - Kaufte er sich
eine Tafel Schokolade, versteckte er sie in seinem Schreibtisch, damit niemand
etwas davon nahm.
- Gingen wir am Wochenende ins Freibad, gab er sein Portmonee an der Kasse
oder der Garderobe ab damit er seinen Kindern kein Eis kaufen musste.
Von ähnlichem Kaliber sind die Artikel in diesem Lexikon. Inwieweit die
Berichte nachprüfbaren Tatsachen entsprechen oder Gerüchte wieder geben,
sagt der Autor nicht. Ob Wahrheit oder nahe an der Wahrheit - Hauptsache,
die Geschichten sind schön.
Besonders den Lesern, die in Tageszeitungen gerne die Rubrik "Leute", "Auch
das noch" oder im "Spiegel" den "Hohlspiegel" lesen sei das Buch ans Herz
gelegt. Auch als Bettlektüre ist es bestens geeignet oder sie lesen jemandem
daraus vor - die Lacher werden Ihnen sicher sein.
Thomas Maiwald
 Bestellen
Bestellen
bei "Amazon.de"
Lesen Sie auch
Umschlagtext
Leseprobe
Verwandte Bücher
Links
Verlegt bei
Heyne
Literaturkritiken.de, Mai 2002 | |
|