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Lebe ewig
Evita Wolff
Buch-Kritik
Die Journalistin Elisabeth Liovano hat den Willen zu leben nach einer
Horror-Ehe verloren. Erst als sie den blinden, berühmten Tenor Matteo
Novell kennen lernt, fasst sie wieder vertrauen zum Leben und zu Männern.
Nach den ersten hundert Seiten dachte ich "Man, das ist ein Groschenroman
in gebundener Form". Wieder hundert Seiten später korrigierte ich mich zu:
"Das ist trival und spannend".
Nach 464 Seiten kam ich zu dem Schluss: "Was für ein Schinken!" Trival,
spannend und sehr einfühlsam geschrieben.
Schatten ...
Echtes Mitgefühl für seine Protagonisten konnte ich nicht entwickeln, denn
wenngleich der Roman sehr einfühlend geschrieben wurde, bleibt er gleichzeitig
an der Oberfläche.
Auf Dauer wirkt es stellenweise unglaubwürdig, wenn nahezu alle Hauptpersonen
ein übermenschliches Einfühlungsvermögen besitzen - Matthew, der Kellner,
die Liebenden, die Krankenschwester, der Arzt (einige Beispiele). Das kann
im Leben vorkommen, in einem Roman allerdings wirkt es klischeehaft und
unglaubwürdig. Zudem wirkt der Tenor Matteo Novell auf mich nicht wie ein
Heteromann, sondern wie eine Frau oder ein schwuler Mann bzw. so wie sich
Frauen einen Mann wünschen. Ein heterosexueller Mann mit einem solchen Einfühlungsvermögen
und Verständnis ist mir bislang so selten begegnet, dass es mir im Roman
zu dick aufgetragen vorkam.
Warum der Bodyguard ausgerechnet ein pädophiler Schwuler ist, das leuchtet
mir nicht ein. Es hat nicht meine Ehre verletzt, denn sicher gibt es pädophile
Schwule und ich kann nicht für diese Menschen sprechen (ich halte Pädophile
für krank), doch hätte die Autorin auch einen weniger dramatischen Beweggrund
für diese Figur ersinnen können.
Insgesamt ist einiges im Roman schlicht zu dick aufgetragen, weshalb ich
das Buch nur mit Einschränkungen empfehlen kann.
... und Licht
Das Buch ist ein Wälzer (464 Seiten) und dennoch fesselnd mit einem Spannungsbogen
der von der ersten bis zur letzten Seite geht.
Die Geschichte ist in sich rund und abgeschlossen. Innerhalb drei Tagen
habe ich das Buch weggefressen. Zudem habe ich mich gefreut mal wieder einen
Roman aus deutscher Feder zu lesen.
Thomas Maiwald
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