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Körpercodes. Die vielen Gesichter der Weiblichkeit in der Werbung
Nicole Wilk

 Körpercodes Buch-Kritik
 Pfeil "Ich will so bleiben wie ich bin"; "Aber leicht muss es sein!"; "So genießt man heute" - "Und in Bad und WC ist alles ok"; "Sie baden grade Ihre Hände drin"; "Willkommen im Maggi-Kochstudio!" Zwischen diesen Claims ist, grob gesagt, der Raum der Frau in der Werbung abgesteckt. Entweder sie ist das schlanke, immer agile Karrieregirl, das in der Mittagspause joggen geht und scheinbar selbstbewusst die Männer zur Raserei treibt, oder sie hütet daheim Haus und Hof. Hat sich seit der unvergessenen Klementine tatsächlich nichts geändert?

Nicole M. Wilk ist dieser Frage nachgegangen; herausgekommenen ist eine lesenwerte Studie über die Gesichter der Weiblichkeit in der Werbung. Im besonderen Interesse steht natürlich das neue verbreitete Frauenbild der "emanzipierten Frau", die im Beruf UND in der Familie das Leben meistert. Doch Wilk entlarvt dieses neue Frauenbild als Mogelpackung. Als ein Schlüsselcode der Reklamefrauen scheint sich dabei das Verschwinden des Körpers herauszukristallisieren.
Nur indem sie sich ihres Körpers entledigen, werden Frauen erfolgreich: "Modelling ist überhaupt einer von zwei Berufen, in denen Frauen durchgängig mehr verdienen als Männer, der andere ist die Prostitution. In beiden verkaufen sie ihren Körper." Ein allfälliges Zeichen des verschwindenden Körpers ist der Magerkeitswahn, der - nur als offensichtlichste Wirkung - die Ausblendung der Fruchtbarkeit der Frau nach sich zieht. Die "blaue Ersatzflüssigkeit", die in der Werbung das menstruelle Blut ersetzt, ist dafür nur ein Beispiel, dass bei magersüchtigen Frauen die Regel irgendwann ganz ausbleibt ein anderes. Wilk kreiert dafür das schöne Wort "Strichkörpercode" - weibliche Rundungen sind verpönt.

Ist "Körpercodes" zu Beginn noch ein wenig sperrig, auch weil Wilk sich sehr an Roland Barthes und seinen kulturtheoretischen Schriften abarbeitet (die nichtsdestotrotz natürlich eine wichtige Quelle sind), so scheint sie sich ab dem vierten Kapitel, in dem sie fulminant über die "Inszenierung der Hinfälligkeit" räsoniert, immer mehr in Extase zu schreiben und reißt den Leser förmlich mit.
Ein großes Manko des Buches sind allerdings die nur spärlich gesäten Abbildungen. Ein Text, dessen Hauptanliegen in der Beschreibung dessen liegt, was man mit dem Auge zu sehen bekommt, muss verlieren, wenn der Leser das nicht selbst am Bild nachvollziehen kann. So muss er die Bilder durch das Gelesene hindurch im Kopf selbst erzeugen, ohne selbst mit den Augen auf die Suche gehen zu können. Was beim Lesen eines Romans seinen Sinn hat, hier ist es hinderlich.
Alles in allem aber eine gelungene Studie zum Thema Frauen und ihre Repräsentation in der Werbung. Und einmal mehr der Beweis, dass wir von einer unsexistischen Ikonografie noch Welten entfernt sind.
Tina Manske

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