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Kleine Feder McAbony
oder Wie man die Herzen der Menschen liest
Eran Kroband

Kleine Feder McAbonyBuch-Kritik
Kleine Feder McAbony stammt von Indianern und schottischen Einwanderern ab. Seine Vorfahren wurden in einem Talkessel eingeschlossen und einigten sich darauf, das Beste aus der misslichen Lage zu machen. So entstand eine Kultur, die aus beiden Welten das Beste mit einbrachte.
Kleine Feder überlebt als Einziger den versehentlichen Abwurf einer Bombe, die den Eingang zum Tal freisprengt. Er verliert sein Volk und wird von einem Augenblick auf den anderen mit einer fremden Welt konfrontiert, denn zweihundert Jahre lang, hatte sein Volk keinen Kontakt zur Außenwelt.
Zunächst wird Kleine Feder vom Sheriff und seiner Frau an Sohnes Statt aufgenommen. Dabei zeigt sich Kleine Feders große Begabung: er öffnet die Herzen der Menschen. Nicht nur bei seinen Pflegeeltern, sondern auch bei den restlichen Bewohnern des Dorfes öffnet Kleine Feder die Herzen für die Liebe.
Seine Annäherung an die "Zivilisation" ist mitunter wirklich köstlich. Kleine Feder beim Putzen von Silber: "Was für eine Vergeudung von gutem Metall, dachte er. Gar nicht auszudenken, wie viele Pfeile man daraus hätte machen können." Schön auch wie der Autor die Denkweise von Kindern wiedergibt:
"Du nimmst das Leben so, wie es ist, nicht wahr?" fragte Mrs. Ross, die neben ihre Tochter getreten war.
Kleine Feder dachte kurz nach, dann antwortete er: "Meine Dame, ich verstehe nicht recht. Könnte man das Leben denn auch so nehmen, wie es nicht ist?"

Es verwundert nicht, dass gute und schlechte Menschen Kleine Feder für ihre Zwecke einspannen wollen. Erst sieht der Dorfgeistliche den Messias in ihm, dann wird ein General zum Pazifisten und auch der Gouverneur wird auf Kleine Feder aufmerksam. Der daraus resultierende Fernsehauftritt endet gänzlich anders als erwartet.

Kleine Feder McAbony trägt einen ungewöhnlichen Namen und spricht einen ungewöhnlichen Akzent, denn er spricht das schottische Englisch seiner Vorfahren und nutzt längst aus der Mode gekommene Satzbauten. Ansonsten ist er ein Kind wie viele andere auf der Welt auch. Er spricht mit seinem Kater Tiger, der ihn überall hin begleitet. Dass Kleine Feder in die Herzen der Menschen sehen kann, ist eine Gabe die sicherlich viele Kinder besitzen. Er lässt sich von den Erwachsenen wenig beirren und hat eine gute Portion Selbstbewusstsein.

Der Autor schneidet seine Geschichte auf junge Leser zu. Personen werden einfach, aber nicht platt, charakterisiert. Manche Anspielungen wird das junge Publikum aber nicht verstehen. "Ihr Ausflug in die Unsterblichkeit dauerte weniger als die erträumten fünfzehn Minuten (...)" Ich verstehe das als Anspielung auf Warhols Ausspruch "Famous for fifteen Minutes". Wahrscheinlich wird es auch nur wenige junge Leser interessieren, dass eine Fernsehmoderatorin keine Unterwäsche trägt. Was für meinen Geschmack in einem Kinder- und Jugendbuch eigentlich nichts zu suchen hat. Aber sei es drum.
Sehr gelungen finde ich die Art und Weise wie der Autor das Thema Religion behandelt. Und wenn das Buch stellenweise auch esoterisch klingt, verzichtet es auf Moral und erhobene Zeigefinger:
"Kleine Feder lächelte. "Das mag daran liegen, dass ich zu lauschen verstehe. Ich lausche den Bäumen, dem Wind und dem Himmel, den Bächen und der Stille. Der Stille zu lauschen ist besonders wichtig, sagte Kluge Eule immer, weil man die Wahrheit nur in der Stille finden kann. Er hat uns beigebracht zu verstehen, was die Welt uns zu sagen hat. Wörter sind nichts weiter als ein Hintergrundgeräusch. Wer wirklich lauschen und nicht bloß hören will, muss dies mit den Augen und mit dem Herzen tun, nicht mit den Ohren. Ohren sind nützlich, wenn man jagen geht. Hat man es mit Menschen zu tun, taugen sie herzlich wenig.""

Die schöne Aufmachung des Buches unterstützt die Geschichte. Einzelne Kapitel werden von einer Feder getrennt, das gebundene Buch kommt mit Lesebändchen und schönem Schutzumschlag.
Thomas Maiwald

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