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Januskopfweh. Glossen, Quickies und Grotesken
Ulrich Holbein
Buch-Kritik
"Januskopfweh":
Beim ersten Betrachten des Buchtitels meint man zu wissen, was einen erwartet.
Die üblichen zeitungstypischen Wortschöpfungen und Sprachverballhornungen,
die einem schon beim täglichen Gang durch den Blätterwald gehörig gegen
den Strich gehen, hier jetzt in Buchform? Weit gefehlt.
"Januskopfweh" vereint Glossen und Essays des umtriebigen Schriftstellers,
den man besonders durch seine Kolumne "Sprachlupe" in der "Zeit" im Gedächtnis
hat (eine Kolumne, die eigentlich einzig den Kauf dieser Wochenzeitung rechtfertigte).
Die Fragen, die nun in diesem Buch verhandelt werden, sind nicht unbedingt
existenzieller Natur, aber es gibt keinen Fall, in dem nicht die Überschrift
allein schon neugierig machen würde auf den Inhalt: "Sind Wolken die friedlicheren
Lebewesen?" - "Wie faul wär' ich als Chinese?" - "Wie oft klaue ich Bücher?"
(Antwort übrigens: "Nie. Jedenfalls nicht oft. So selten, dass man's nie
nennen kann. Also nie. Ja, sogar prinzipiell nie. Absolut nie! Allenfalls
geb' ich geborgte Bücher nur auf Aufforderung zurück.")
Das Wissen des Autors Holbein ist dabei zu jedem Zeitpunkt unbedingt respekteinflößend.
Selten kann man jemandem beim Räsonnieren zuschauen, der ähnlich kompetent
durch die Disziplinen wandert und anscheinend mühelos Verbindungen findet,
wo andere nur Trennlinien sehen. Die Texte von Ulrich Holbein sind ein exzellentes
Mittel gegen die Mauer im Kopf. Sein Studium der Theologie und Biologie
leistet ihm hierbei wohl wertvolle Hilfe.
Einige Themen und Fragmente kehren dabei häufiger wieder, zum Beispiel die
Frage, warum sich die Menschen dem Kampf gegen den Krebs verschrieben haben,
eine Schwangerschaft aber niemals so verteufeln würden, obwohl diese nachweislich
auf dem gleichen Prinzip (= wahnsinnig schnelles Zellwachstum) fußt. Man
kann die Texte nicht einfach mal so im Vorbeigehen lesen - sie verlangen,
dass man sich mit ihnen auseinander setzt. Das Schöne ist, dass man eine
Menge lernen kann, dass man sich ertappt, wie man Gedankenstränge verfolgt,
auf die man selbst nie gekommen wäre, und dass man sich, dies das hervorstechendste
Merkmal, dabei auf hohem Niveau richtig gut unterhalten fühlt - und sicherlich
niemals unterfordert.
Man sollte tunlichst vermeiden "Januskopfweh" zu verleihen - man würde es
garantiert nie mehr zurückbekommen.
Tina Manske
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Elfenbein
Literaturkritiken.de, Mai 2003 | |
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