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Harry Rowohlt liest
Aus dem Tagebuch eines Trinkers
und andere Texte von Eugen Egner
Buch-Kritik
Beim
Durchblättern der "Titanic" sind die Zeichnungen Eugen Egners, die seine
Texte illustrieren, immer wieder das erste, an dem man zwangsläufig hängen
bleibt. Sie grotesk zu nennen, ist beinahe eine Untertreibung. Ihnen eignet
eine ganz einmalige Mischung aus Dali sowie einer kaum zu bändigenden Lust
an der Clownerie. Dasselbe kann man auch von seinen Texten sagen.
Die Geschichten von Eugen Egner nacherzählen zu wollen ist ein sinnloses
Unterfangen. Man muss sie schon selber lesen, die Geschichte von den beiden
Reisenden im Karton zum Beispiel, oder das herrliche "Übersetzungen ad nauseam",
das von einem Schriftsteller handelt, dessen Übersetzung seines eigenen
Textes zur Rückübersetzung wegen Verlustes des Originaltextes dient, die
aber auch wiederum verloren geht, und daher ... Verstehen Sie? Eben das
passiert, wenn man nachzuerzählen versucht, was Egner in seinen Texten virtuos
beschreibt.
Noch besser ist es natürlich, sich die Geschichten von "der Stimme" vorlesen
zu lassen. Über Harry Rowohlt, den bärigen Vorleser und Übersetzer von großem
Verstand, muss man nicht mehr viel sagen - seine Bariton-Stimme spricht
für sich. Mit hörbaren Vergnügen hat er die besten Geschichten Egners auf
CD gebannt; manchmal ist auch der Autor selbst zu hören, und entgegen seiner
eigenen Befürchtung stört er natürlich nicht im Geringsten. Man wundert
sich nur, wie harmlos und nett ein so durchtriebener Geist klingt. Gar nicht
so irre, wie seine Texte es suggerieren.
Herzstück und unangefochtener Höhepunkt der CD ist natürlich das "Tagebuch
eines Trinkers", die wahnwitzige Zusammenstellung einer Fahrt in die unwägbaren
Tiefen des Alkoholismus. ("Nachmittags weinender Mann vor der Haustür. Wehe,
wehe, ich war es selbst. Strenger Cocktail, schließlich wieder Mut. Ab 20
Uhr wieder gewissenhaft getrunken.") Wie in vielen anderen Geschichten Egners
trifft hier Surrealität und erschreckende Lebensnähe zusammen.
Fazit
Eine durch und durch gelungene CD, eine Insel im Meer der zahllosen Hörbuch-Veröffentlichungen.
Tina Manske
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Umschlagtext
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Verlegt bei
Zweitausendeins
Literaturkritiken.de, April 2003 | |
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