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Ein ganz besonderer Saft - Urin
Carmen Thomas
Buch-Kritik
Urin ist für viele Menschen etwas ekeliges, abstoßendes, was in die
Toilette gehört und sonst nirgendwohin.
Als ich dieses Buch geschenkt bekam, war ich, ehrlich gesprochen, etwas
pikiert. Was sollte ich mit einem Pippi-Buch?
Beim Lesen wurde das Buch immer interessanter. Es dauerte nicht lange, und
ich probierte, in der Badewanne sitzend, den ersten Schluck Eigenurin. Ich
gebe offen zu, dass ich mich damals fast übergeben habe, aber nicht wegen
des Geschmacks, sondern aus rein psychischen Gründen. Wieso experimentierte
ich mit so etwas ekelhaftem?
Nach einigen Tagen Urinkur schwand der Ekel und ich erinnerte mich, dass
wir als Kinder im Sandkasten ganz selbstverständlich in den Sand pinkelten
oder ins Eimerchen machten, wenn der Sand zu trocken war. Wir befeuchteten
den Sand dann mit Urin. Erst mit der Zeit lernte ich, wie abstoßend Urin
doch ist.
Früher war es bei Medizinern durchaus verbreitet, den Urin eines Patienten
zu kosten, um festzustellen ob er süß schmeckte, was auf Diabestes hinwies.
Zum Teil wird auch heute noch in verschiedenen Richtungen der Alternativ-Medizin
Eigenurin eingesetzt, um dem Körper einen Spiegel zu geben, denn Urin enthält
in abgeschwächter Form ein gutes Spiegelbild dessen, in welchem Zustand
der Körper sich befindet.
Urin ist steril, es sei denn die Nieren sind erkrankt, also ist der "besondere
Saft" auch kein Keimträger.
Ein Tipp am Rande: Um den kräftigen Geschmack des Morgenurins zu mildern,
können Sie ihn verdünnen mit Wasser oder einfach die Nase beim Trinken zuhalten.
Wer in dem Buch einen Ansporn für (s)einen sexuellen Fetisch sucht, wird
enttäuscht werden. Das Buch zielt nicht in diese Richtung ab.
Wer sich vorurteilsfrei mit dem Thema Urin und alten Hausrezepten beschäftigen
möchte, findet ein gut konzipiertes, interessantes Buch. Als Geschenk sorgt
es immer wieder für Aufsehen.
Thomas Maiwald
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