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Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags
Richtig ausmisten, Gerümelfrei bleiben
Karen Kingston
Buch-Kritik
Feng
Shui ist im Mai 2003 nicht mehr das Thema Nummer Eins in esoterischen Kreisen.
Selbst kühle Häupter bieten einem derzeit mit glühenden Augen und einem
Beben in der Stimme "Salz aus dem Himalaja" an. Auch die Esoterik hat eben
ihre Modethemen.
Trotzdem erscheint das Buch von Karen Kingston bereits in der zweiten Auflage
- es kursiert in gewissen Kreisen als Geheimtipp. Als ich mich kürzlich
mit einer Freundin traf, die nach eigenem Bekunden ungern liest, erzählte
ich ihr von dem Buch. "Ach, das Buch. Ja, das hat mir schon ..." es folgte
die Aufzählung der Namen derer, die ihr das Buch bereits empfohlen hatten.
Ich selbst habe das Buch regelrecht verschlungen, denn es sprach und spricht
mir aus der Seele. Dabei ist das Thema des Buches so einfach wie elementar:
loslassen. Loslassen von Angestautem, Aufgestautem und Überflüssigem. Meine
Freundin Angelika sagt an dieser Stelle gerne, dass es mein Jungfrau-Aspekt
ist (das Thema Selektion im Sinne von "Was nehme ich auf?").
Karen Kingston hat ihr Buch zwar nicht "Loslassen mit Feng Shui" genannt,
aber die Essenz des Buches ist das Loslassen und zwar in Form von Aufräumen
und Wegschmeißen, betrachtet aus der Sicht des Feng Shui. Im Feng Shui wird
vom Fluss der Energien gesprochen beziehungsweise über Methoden um den natürlichen
Energiefluss anzuregen.
Menschen die sich an materiellen Dingen festkrallen, hemmen unwillkürlich
den Fluss der (Lebens-)Energie, denn jedes Festhalten führt zum Stau. In
dieser Hinsicht bedeutet auch das Anhäufen von Gerümpel Festhalten und Stau.
Es fängt bei harmlosen Kramschubladen an und endet bei Garagen und Gartenhäusern,
die mit altem Plunder vollgestopft sind - den man eines Tages noch mal gebrauchen
könnte ... Wer offen ist, kann die Erfahrung machen, wie erleichternd es
sein kann, sich von angestautem Müll und Gerümpel zu befreien. Endlich den
Krempel wegzuschmeißen, der schon seit Jahren im Keller oder auf dem Boden
liegt. Dabei geht es nicht darum jedes Fitzelchen Papier zwanghaft einzeln
zum Altpapiercontainer zu tragen, sondern um aufgestauten Ballast.
Karen Kingston bringt in ihrem Buch wahrlich köstliche Beispiele. Ein Ehepaar,
das ein Zimmer voller Spielsachen besaß in der Hoffnung, der schwule Sohn
möge eines Tage wieder heterosexuell werden und Kinder haben.
Ich selbst hatte mal einen Bekannten, der lebte in einer Wohnung von
25 Quadratmetern Größe und hatte mehr als 700 Videokassetten gesammelt;
per Longplay aufgenommen und somit die Aufnahmekapazität verdoppelt.
Auf den meisten Bändern befanden sich Fernsehserien - wobei er selbst
nicht mehr wusste, wo er welches Band suchen sollte! Eines Tages warf
er endlich die ganzen Kassetten auf den Müll - und begann Bücher zu
sammeln.
Für derartig notorische Sammler wird die Befreiung, wenn man sich wieder
freigeschaufelt hat, natürlich größer sein als für Menschen, die nur einen
Schrank voll Krempel auszumisten haben. In beiden Fällen wird es den Fluss
im Leben wieder anregen zu fließen, denn das Leben an sich ist Bewegung
und Veränderung - niemand kann das Leben festhalten. Dazu fällt mir das
indianische Sprichwort ein, in dem es heißt, wer das Leben festhalten will,
könne auch versuchen Wasser in seinen bloßen Händen festzuhalten.
Karen Kingston macht in ihrem Buch Mut den Krempel endlich hinauszuwerfen.
Darüber hinaus regt sie an, wie man gerümpelfrei bleibt und führt in grundlegende
Prinzipien des Feng Shui ein. Im übertragenen Sinne kann man in aufgestautem
Krempel und Gerümpel auch ungelöste Probleme sehen.
So verwundert es nicht, dass die Autorin in ihrem Buch auf die Darmreinigung
eingeht - Ausmisten für den Körper sozusagen. Nicht zuletzt ist das Ausmisten
der erste Schritt bevor ein Mensch sein Umfeld nach Prinzipien des Feng
Shui umgestaltet. Schließlich käme keine Hausfrau auf die Idee ihren Kuchenteig
auf einem verschmutzten Küchentisch auszurollen und kein Handwerker würde
ein schmutziges Möbelstück lackieren.
Die sehr schöne Aufmachung des Buches runden den fundierten Inhalt in gelungener
Weise ab. Gäbe es das Buch jetzt noch als gebundene Ausgabe, läge es um
Haaresbreite an der 100-Prozent-Grenze. Aber auch als Taschenbuch ist ein
Tipp!
Thomas Maiwald
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