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Familien in Deutschland
Ein Frontbericht
Signe Zerrahn

Familien in DeutschlandBuch-Kritik
Der Untertitel sagt es: Familien in Deutschland haben es nicht leicht - es ist Krieg da draußen. Zum Beispiel der Kampf um Kinderhort- und um Ganztagsschulen-Plätze. Familien, definiert als Paare mit Kindern oder Alleinerziehende, sorgen laut Solidargemeinschafts-Vereinbarung dafür, dass in unserer immer älter werdenden Gesellschaft auch in Zukunft Beitragzahler für die Sozialversicherungen existieren.
Und was bekommen sie dafür? Ein kalten Händedruck, ein mitleidiges Lächeln und den Satz zu hören: Mann, seid ihr spießig! So jedenfalls könnte man Signe Zerrahns Fazit umschreiben, das sie mit ihrem Buch "Familien in Deutschland: Ein Frontbericht" zieht.

Nicht zuletzt die Frauenbewegung der 68er und ff. macht Zerrahn für die jetzigen Zustände verantwortlich. "Kinder, so beweisen es Frauen wie Alice Schwarzer wieder und wieder, sind nur ein Klotz am Bein. Eines macht unfrei, zwei abhängig, drei und mehr jede Frau zur Sklavin." Und da, so Zerrahn, in den Augen der Feministinnen Frauen immer und überall Opfer sind, wird auch nur Politik gemacht für Minderheiten, nicht aber für die Frauen, die sich einfach dafür entschieden haben, Kinder zu haben - und die deswegen nicht zwangsläufig spießige Hausmütterchen sein wollen.
Erwerbstätigkeit von Frauen wird, so Zerrahn, in Deutschland nach wie vor und entgegen anders lautenden Behauptungen aus der Politik nicht unterstützt - lieber werden, wie bei der Greencard-Diskussion ersichtlich wurde, ausländische Arbeitskräfte angeworben.

Nach wie vor muss sich eine Frau mit sehr viel weniger Geld für die gleiche Arbeitsleistung wie ihr Mann zufrieden geben - Deutschland hinkt international hinterher: "40 Prozent der amerikanischen Akademikerinnen verdienen mehr als ihre Ehemänner - in Deutschland undenkbar." Und trotzdem ist in den USA sowie auch in europäischen Ländern, die die Gleichstellung der Frau im Beruf fördern, die Geburtenrate höher als in Deutschland. Nur im Deutschen gebe es, so Zerrahn, Begriffe wie "Rabenmutter" - eine Französin habe keine Ahnung, was das sein solle.

Da sollte es eigentlich nicht weiter verwundern, dass mittlerweile jede dritte Frau über 35 in Deutschland keine Kinder hat. Zudem hat man als "Dink" (double income, no kids) einfach mehr Geld zur Verfügung für die schönen Dinge des Lebens.

Zerrahns Satz "Wer keine Kinder mehr kriegen kann oder nie welche wollte, braucht sich um die nachfolgende Generation keine Gedanken zu machen" stimmt so natürlich nicht: Schließlich wollen alle, ob mit Kindern oder ohne, im Alter versorgt sein. Und so wird vernünftige Familienpolitik für jeden zu einer unabdingbaren Notwendigkeit.
Nach dem Lesen von Zerrahns Buch wird die Dringlichkeit dieser Notwendigkeit mehr als offensichtlich. Was allerdings nervt ist Zerrahns beißender Spott. Nichts gegen Polemik; aber der "Monitor"-Ton wirkt auf Dauer ziemlich angestrengt. Auch mit genauen Quellangaben hat die Autorin es nicht so.
Insgesamt aber eine lohnende Lektüre für alle, die wissen wollen, wie es in der deutschen Familienpolitik im Moment aussieht und was man besser machen könnte und sollte.
Tina Manske

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