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Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär
Walter Moers

Walter Moers - Die dreizehneinhalb Leben des Käptn BlaubärBuch-Kritik
Tina hat das Buch bereits als Hörbuch vorgestellt. Zu meinem Geburtstag bekam ich das Buch von meiner kleinen Schwester geschenkt. Sie merkte an, sie hoffe, ich hätte es noch nicht gelesen. Komisch. Fast alles, was ich lese, erscheint auf der Homepage. Weshalb hat sie nicht einfach nachgesehen? Naja, wie Geschwister so sind.

Auf etwas mehr als siebenhundert Seiten hat der Eichborn-Verlag das gebundene Buch gebläht - der doppelte Zeilenabstand macht aus dem Buch ein richtig dickes Märchenbuch.
Beginnend kurz nach der Geburt, schildert Blaubär die erste Hälfte seines Lebens, denn ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben.
Die Schilderungen sprühen nur so vor Fantasie. Kurz nach seiner Geburt wurde der kleine Blaubär in einer Nussschale auf dem Meer ausgesetzt. Er treibt in seiner Walnussschale auf dem Meer und wird von Zwergpiraten aufgenommen. Die sind so klein, dass Enterungen stets schief laufen, weil die Zwergpiraten niemand bemerkt.
Einen Teil der Erziehung übernehmen die Klabautergeister für die der kleine Blaubär weinen muss. Das Sprechen bringen ihm im nächsten Leben zwei Tratschwellen bei.

Der gefährlichste Abschnitt des jungen Lebens spielt auf der Feinschmeckerinsel "Gourmetica Insularis", die eigentlich eine Wasserpflanze ist und ihre Bewohner zum Fressen gern hat. Damit es nicht so weit kommt, wird Blaubär von einem Rettungssaurier gerettet, der den Künstlernamen "Deus X. Machina" trägt. Zusammen mit Mac (dem Rettungssaurier) rettet Blaubär Leben in letzter Sekunde (was wörtlich zu nehmen ist) und besucht dann die Schule von Professor Nachtigaller in den Finsterbergen. Der Professor infiziert seine Schüler mit seinen Intelligenzbakterien durch die es zu Höchstleistungen kommt.
Professor Abdul Nachtigaller ist auch der Autor des "Lexikons der erklärungsbedürftigen Wunder und Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung".
Nach Abschluss der Schule begegnet Blaubär der grässlichen Waldspinnenhexe. (Dieser Erzählstrang spinnt sich fort in "Ensel und Krete".) Es schließt sich das Leben im Dimensionsloch an. Das Leben in der süßen Wüste, das Leben im ewigen Tornado, die Wanderung durch den Kopf eines Bollocks.
Während seines Lebens in Atlantis legt Blaubär den Grundstein für seine Lügengeschichten indem er als Lügengladiator Karriere macht. Das dreizehnte Leben verbringt er an Bord der Moloch einem Sklavenschiff, das von dem Element Zamonin beherrscht wird, indem es alle Gefangenen an Bord telepathisch beherrscht. Erst im dreizehneinhalbten Leben wird es ruhiger und privater im Leben des Blaubären.

Walter Moers lässt ein ganzen Reigen fantastischer Gestalten erstehen. Angefangen bei den Zwergpiraten, deren Kaperversuche auf Grund ihrer Winzigkeit scheitern, weil sie niemand bemerkt. Über die Tratschwellen, das Leben bei den Hippies in der Wüste bin hin zu Atlantis.
Viele Handlungsstränge werden im späteren Lebensabschnitt des Blaubärs weiter geknüpft, etwa wenn der Protagonist seine alten Schulkameraden wiedertrifft, oder den Wolpertinger, dem er das Leben rettete, als der noch ein Welpe war.
Die Erzählungen setzen sich über physikalische Gesetze und die Schwerkraft einfach hinweg. Eine Fata Morgana, die eingefangen wird, Leben im Wirbelsturm oder die Wanderung durch den Kopf eines Riesen mögen als Beispiele dienen.
Diesen Ideenreichtum in eigene Worte zu fassen ist schwierig, man muss ihn gelesen haben.

Das gebundene Buch selbst ist dicker als notwendig - einerseits durch den doppelten Zeilenabstand und andererseits durch viel Luft um Zeichnungen herum. Möglich, dass der Eichborn Verlag ein richtig schweres Märchenbuch herausgeben wollte, möglich, dass für ein dickeres Buch ein besserer Ladenpreis erzielt wird.

Gewöhnungsbedürftig sind die Ausschnitte aus Professor Abdul Nachtigallers "Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung", weil die Abschnitte zwar in die Geschichte eingeflochten sind, aber stellenweise weit ausschweifen. In seinem Buch "Ensel und Krete" nennt Walter Moers dies treffender "Die Mythenmetzsche Abschweifung". Offen gesagt gefallen mir die Abschweifungen nicht egal unter welchem Titel. Würde Walter Moers sich streckenweise kürzer fassen, käme es auch den "13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" zu gute. (Die Aufzählung der vielen verschiedenen Lebensformen in Atlantis ufert mir zu sehr in eine Aufzählung aus.)

Alles in allem ist das Buch empfehlenswert. Die überbordende Fantasie und Erzähllust von Walter Moers, der schöne, geprägte Einband und das Lesebändchen ergeben einen runden Gesamteindruck.
Thomas Maiwald

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 Copyright Literaturkritiken.de, Oktober 2002
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