Das Buch  Leseprobe  Einschätzung

Denn wir sind anders
Die Geschichte des Felix S.
Jana Simon

Denn wir sind andersDas Buch
Seine Großeltern sind alte Kämpfer - der Großvater ein weißer Kommunist und Regimegegner, die Großmutter eine Farbige. Sie verliebten sich in Südafrika der fünfziger Jahre - nach den Gesetzen der Apartheid eine verbotene Liebe. 1961 flohen sie über Ghana in die DDR.

Dies ist die Geschichte von Felix, ihrem Enkel, der 1970 in Ostberlin geboren wurde. Als Farbiger ist er in der DDR von Beginn an ein Exot. Der kleine, schmale Junge wird häufig von anderen Kindern verprügelt. Mit 13 Jahren lernt er Karate, was in der DDR verboten ist. Er trainiert wie besessen. In der Ostberliner Kampfsportszene heißt er nach seinem Idol "der kleine Bruce Lee", bald hat er den Ruf, dass er jeden "weghaue". Sein Extremismus ist gefürchtet, er kämpft noch mit gebrochener Hand weiter. Es sind die achtziger Jahre, im Osten wie im Westen die bleierne Zeit der Stagnation. Felix ' Generation, die desillusionierten Enkel der Revolutionäre, trinken Cola Wodka, hängen sich Kreuze um den Hals und spielen im Wald Krieg.

Nach dem Mauerfall wird Felix deutscher Kickboxmeister. Er verdient Geld, indem er Türen bewacht - Türen von Diskotheken, Puffs und illegalen Spielsalons. Er zieht mit den Hooligans vom BFC Dynamo herum, prügelt sich in der "dritten Halbzeit", zugleich liebt er die Musik von Bach, will Psychologie studieren und meditiert täglich mehrere Stunden. Die Szene, in der er sich bewegt, ist nicht rechtsradikal, aber deutschnational orientiert. Die Zeit ist jetzt anders: Technopartys, Globalisierung - nichts mehr da, was verbindet.
Felix' Freundeskreis besteht fast nur aus Ostberlinern, eine letzte Insel der vertrauten Kindheit, der verblassten Erinnerungen. Sie sind Türsteher, Kampfsportler, Hools. Sie haben den Überblick über diese Welt irgendwie verloren und stellen ihre eigenen Regeln auf. "Ehre, Vertrauen, Ritterlichkeit" gelten als oberste Tugenden. Ihre Lebenseinstellung fasst ein Spruch der Band "Böhse Onkelz" zusammen: "Lieber stehend sterben als kniend leben". Es kann nicht gut gehen. Im November 2000 wird Felix verhaftet. In Berlin beginnt der erste große Prozess gegen eine Gruppe von Hooligans, Türstehern und Kampfsportlern, die mit allem handeln, was Geld bringt - Drogen, Autos, Frauen. Felix ist einer der Angeklagten. Das Urteil wird über sein Leben entscheiden.

Jana Simon wurde 1972 in Potsdam geboren und wuchs in Ostberlin auf. Osteuropastudien in Berlin und London, nebenbei Arbeit als freie Journalistin. Seit 1998 ist sie Reporterin beim "Tagesspiegel" in Berlin und schreibt auch für die "Zeit" und "Geo Saison". 2000 wurde sie mit dem Alexander-Rhomberg-Preis für Nachwuchsjournalisten ausgezeichnet. 2001 erhielt sie für ihre Reportagen den Axel-Springer-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Jana Simon kannte Felix seit ihrem 16. Lebensjahr.

Denn wir sind anders Button Bestellen
Bestellen bei "Amazon.de"

Lesen Sie auch
Leseprobe
Einschätzung

 Button Links
Verlegt bei Rowohlt Berlin
Werbung
 Einkaufen bei: Amazon.de
 
 
 
Werbung
Copyright Texte und Bilder 2001 - 2007 Literaturkritiken.de oder Lizenzgeber, falls angegeben.
Lesen Sie auch:
FilmHai.de: Film, DVD, Kinostarts und Filmstarts