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Das erste Mal
Schöne neue schwule Welt
Baby Neumann
Das
Buch
Mein Name ist Baby Neumann, und ich bin kein Schriftsteller. Aber
ich schreibe trotzdem, weil das schwule Leben so seltsam ist, dass
ich es zu Papier bringen muss, um überhaupt daran glauben zu können.
Man weiß ja: Was gedruckt ist, stimmt auch.
Das behauptete jedenfalls mein Großvater mütterlicherseits, seines Zeichens
überzeugter Bibel-Leser und Kirchenchor-Vorsteher. Dieser Ausbund an Katholizität
heiratete eine biedere Tochter aus gutbürgerlichem Hause, deren zwei Hauptsorgen
im Leben waren: "Was mögen die Nachbarn denken?" und "Was
hält der Herr Pastor davon?"
Im Krieg wurden meine Großeltern wiederholt ausgebombt, was ihren gemeinsamen
Sinn für das, "was sich gehört", nicht im Geringsten trübte: Blütenweiße
Gardinen zierten die übrig gebliebenen Fenster, und der nicht verbrannte
Rest der Stiegen wurde einmal wöchentlich gebohnert.
Kaum war der Frieden ausgebrochen, machte sich das Paar an die Fortpflanzung
und produzierte meine Mutter. Es muss eine scheußliche Erfahrung für die
beiden christlichen Menschen gewesen sein, denn meine Mutter blieb ein Einzelkind.
Zweimal wöchentlich zwang mein Großvater sie in die Kirche, sperrte sie
in den Kohlenkeller, als sie im Alter von neun Jahren die Unbefleckte Empfängnis
anzweifelte und zerbrach einen Handfeger auf ihrem Rücken, als er sie dabei
ertappte, wie sie unter der Bettdecke "Lady Chatterly" las.
(...)
Wenn mein Großvater dieses Buch liest, wird ihn der Schlag treffen.
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