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Das dämliche Geschlecht
Warum es kaum Frauen im Management gibt
Barbara Bierach

Barbara Bierach - Das dämliche GeschlechtBuch-Kritik
Laut einer neuen Umfrage des Emnid-Institutes ist nur für vier Prozent der deutschen Frauen die Karriere das Wichtigste im Leben. Was die meisten Frauen sehr viel mehr interessiert, ist finanzielle Unabhängigkeit (für 94% wichtig) - danach folgen schon die traditionellen Werte wie Kinder, die Ehe oder das Eigenheim. Karriere als Lebensziel, da winken die Frauen gelangweilt ab.
Es scheint in dieser Frage einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen zu geben; aber das ist nicht weiter verwunderlich und auch schon länger bekannt. Es gibt aber Frauen, die hängen immer noch dem Traum hinterher, Frauen sollten so sein wie Männer, um endlich das Maß der Gleichberechtigung voll zu machen. Zu diesen Frauen gehört Barbara Bierach. Allerdings ist sie sich nicht so ganz sicher, wie sie behauptete Geschlechterunterschiede deuten soll: Ist der Autor Psychologe (John Gray ("Männer sind anders, Frauen auch - Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus.")) sieht sie allein in den Buchtiteln schlichte Volksverhetzung; ist die Verfechterin von Geschlechtsunterschieden allerdings Korrespondentin vom Wall Street Journal, werden sie absolut zur Norm erhoben. Da bekommt das weibliche Verhalten sogar ein eigenes Kapitel ("Weibliches Verhalten im Job").

Frauen, so Bierach, lesen das Falsche, sie studieren das Falsche, sie machen sich in den falschen Branchen selbstständig. "Dabei eröffnen viele Frauen typischerweise Friseursalons und Boutiquen, aber zum Glück auch Designstudios, Eventagenturen und Gastronomiebetriebe." Wo ist der Unterschied? Man stelle sich Frau Bierach vor, wie sie ihre nächste Frisur lieber in einem Designstudio planen und dann vermittels einer Eventagentur von einem hippen Promoter schneiden lässt - sähe bestimmt klasse aus.
"Wer Anglistik studiert, wird nicht Vorstand" - mal abgesehen davon, dass der Wahrheitsgehalt dieser Aussage noch zu prüfen wäre (da der Anteil der Geisteswissenschaftler in den Chefetagen mächtig zugenommen hat), bleibt polemisch zu fragen, wer denn zum Beispiel die Geschäftsbeziehungen zum Ausland in den Firmen intensivieren soll, wenn nur Betriebs- und Volkswirtschaftler in den Betrieben sitzen, die nicht über ihren Tellerrand hinaus blicken? Die Wirtschaft braucht die Diversifikation der Ausbildungen. Eine Welt, deren Geschick in den Händen von BWLern mit Zusatzausbildung Marketing liegt, die mag man sich ja nicht mal im Traum vorstellen.

Das wahrhaft schwache Geschlecht sind natürlich die - wir haben es befürchtet - Männer. Sozial schwache Männer beispielsweise, die ihre Alimente nicht zahlen können. "Sie werden einfach als verantwortungslos abgestempelt. Dabei haben sie es - dank der Pille - gar nicht mehr in der Hand, ob sie zeugen wollen oder nicht." Wie bitte? Schon mal was von Kondomen gehört? Ähnlich politically incorrect der Vorschlag der Autorin, Männer müssten endlich an der Entscheidung über eine Abtreibung ihrer Partnerin beteiligt werden. Es sei hier nur mal kurz erwähnt, dass es noch immer kein Abtreibungsgesetz gibt, das von Frauen entworfen worden wäre. Wenn die Bundesregierung das mal auf den Weg bringen würde, könnte man auch über eine eventuelle Beteiligung der Männer an der Entscheidung einer Frau - Kind ja oder nein - wieder reden.

Und außerdem sterben Männer fast doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Frauen. Wenigstens da könnten die Frauen sie mal entlasten, indem sie ihnen die stressigen Chefposten abnehmen. Dabei hat Bierach Recht mit der Feststellung, dass es garantiert keine Männer braucht, um die Frauen unten zu halten. Allein die Konkurrenz um eben diese Männer bringt Frauen dazu, sich immer wieder gegenseitig auf die Pumps zu treten. Nur zieht Bierach die falsche Schlussfolgerung, Frauen müssten genau solche karrieregeilen Menschen werden, wie es viele arme Männer sind. Nach dem Motto: Erst, wenn in den Krankenhäusern genauso viele Frauen mit Herzinfarkt eingeliefert werden wie Männer, ist die Gleichberechtigung geschafft.
Jeder Evolutionsbiologe wird Frau Bierach attestieren können, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die sich auch aus der Tatsache herleiten, dass Männer um Frauen buhlen - sie wollen sie beeindrucken, und das tun sie mit der Erringung von hohen Posten und dicken Portmonees. Frauen können nicht anders: Sie sind genetisch nicht so sehr daran interessiert, Karriere zu machen. Das Machtproblem ist ebenso ein Testosteronproblem wie das der Gewalt. Bierach wirft den Frauen vor, Macht eklig zu finden. Macht aber ist eklig; der Ekel gehört zu ihrer Definition, denn Macht beinhaltet immer einen, der nicht mächtig ist, der beherrscht wird, und Macht beinhaltet immer auch die Willkür. Gerechtigkeit gehört nicht in den Bereich der Macht, und das macht sie eklig. Aber: "Ziel eines Unternehmens ist es schließlich, finanzielle Werte (sprich: Shareholder Value) zu schaffen und nicht sittliche. Damit haben Frauen Probleme." Und die haben sie zurecht.

Bierach unterliegt in ihren Ausführungen insgesamt einem fatalen Irrtum: Sie verwechselt Karriere mit Selbstversorgung und Selbstverantwortung mit Macht. Sich den eigenen Unterhalt verdienen zu können hat nichts damit zu tun, nach den höchsten Ämtern zu streben, und wer unabhängig ist, muss nicht machtgeil sein.
Für eine neue, bessere Gesellschaft muss man umdenken, gewiss. Aber wer muss das? Die Frauen? Oder die Chefs, die Machthaber? Bierach führt viele nicht weiter durch Quellenangaben belastete Studien an: "Bei öffentlichen Reden und Beiträgen in einer größeren Gruppe beanspruchen Männer mehr Redezeit, unterbrechen häufiger und beziehen Frauen seltener mit ein als umgekehrt. Besser vorbereitet und überzeugender wirken so natürlich die Männer ... Frauen arbeiten und Männer promoten sich." Was schließen wir daraus? Dass Chefs öfter mal psychologische Seminare besuchen sollten, um die geschwätzigen Kampagnen ihrer Mitarbeiter zu durchschauen und dahinter zu kommen, wer wirklich die Arbeit macht, der Schwätzer oder die Mitarbeiter. Wir lernen daraus nicht, dass Frauen genauso viel heiße Luft produzieren sollten wie die Männer. So wenig, wie wir aus der Tatsache, dass soziale Berufe sehr viel schlechter bezahlt werden als das Absitzen von sinnlosen Meetings, schließen sollten, dass am besten niemand mehr einen sozialen Beruf ergreift, wenn ihm sein Loft mit Haushälterin wichtig ist. Wir lernen daraus, dass Selbstbestimmung nichts mit Gewinnmaximierung zu tun hat.

Und übrigens, die armen Chefs haben es auch nicht leicht; laut der Sex-Journalistin Shere Hite, die Bierach zitiert, gibt es viele männliche Führungskräfte, "die sich mit der Ungleichverteilung der Macht nicht wohl fühlen. Sie würden das gerne ändern, haben aber keine Lust, sich mit den anzüglichen Bemerkungen der Kollegen herumzuschlagen, wenn sie eine oder mehrere Frauen tatsächlich einstellen und fördern." Anscheinend gibt es doch genügend dumme Machisten, die Veränderungen verhindern. Mann macht sich schließlich nicht gerne lächerlich vor Untergebenen.
Das alles, so die Autorin, ist natürlich halb so wild. Frauen können schließlich machen was sie wollen. Sie können sich auch mit ihren Kindern in einer Villa (!) am Stadtrand (!) verkriechen, wenn sie das wünschen. Nur sollen sie dann nicht jammern, dass man sie einfach nicht an die Macht lässt. "Schein bestimmt das Sein. Und letztlich ist das ganze Leben ein Marketingproblem." Der Verdacht drängt sich auf, dass Frau Bierach einfach nur ein bisschen Protest aus der Frauen-PC-Liga provozieren wollte. Damit hat sie sicherlich Erfolg, was ihr Buch möglicherweise zu einem diskutierten Werk macht, aber noch lange nicht zu einem lesenswerten. Einzig die Ausführungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf können überzeugen. In der Bereitstellung von Kinderbetreuungs-einrichtungen und der Entmythologisierung der Mutter als einzig wahren Bezugsperson des Kindes liegen die Hauptaufgaben einer modernen Familienpolitik.

Zeichensetzung ist in diesem Buch übrigens Glückssache. Dabei müsste man noch nicht mal etwas Brotloses wie Germanistik studieren, um das einigermaßen hinzukriegen. Und man könnte trotzdem noch Vorstand werden, irgendwann.
Tina Manske

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