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Die Brille mit dem Goldrand
Giorgio Bassani
Das
Buch
Mit der Zeit sind es nicht mehr so viele, doch darum noch nicht wenige
Menschen, die sich in Ferrara an Doktor Fadigati erinnern - an Athos
Fadigati, den Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, der in der Via Gorgadello,
ein paar Schritt von der Piazza delle Erbe, wohnte und praktizierte,
und mit dem es ein so trauriges Ende nahm, ein tragisches Ende; und
gerade er schien, als er als junger Mensch aus seiner Heimatstadt
Venedig kam und sich hier niederließ, für eine vollkommen normale,
ruhige und eben deshalb höchst beneidenswerte Laufbahn bestimmt.
Im Mittelpunkt der 1960 erstmals auf deutsch erschienen Erzählung steht
der kultivierte, von seinen Ferrareser Mitbürgern respektierte Arzt Fadigati.
Als seine homosexuellen Neigungen bekannt werden, wird er weiterhin von
der Gesellschaft toleriert, da er die Fassade der Wohlanständigkeit wahrt.
Erst als er sich mit einem schönen, skrupellosen Studenten einlässt, der
ihn in aller Öffentlichkeit bloßstellt, ihn bestiehlt und daraufhin verschwindet,
zieht sich die achtbare Gesellschaft, die keinen Andersartigen, keine Minderheit
in ihrer Mitte duldet, von ihm zurück.
Der einzige, der ihm mit Verständnis und Menschlichkeit begegnet, ist der
Ich-Erzähler, der als Jude durch die faschistischen Rassengesetze in eine
ähnliche Isolation gedrängt wird.
Am Ende bleibt dem Einsamen nur noch der Selbstmord als Ausweg. "Bassani
zeigt den lautlosen Fortschritt des Verhängnisses, während sich nach außen
hin wo wenig ändert – mit dieser Fähigkeit, den wirklichen Gang der Dinge
aufzuzeichnen, weit er sich als echter Erzähler aus."
Franz Tumler.
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