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Das blaue Tagebuch
Andre Juillard
Buch-Kritik
Bereits in der dritten Auflage erscheint der Band "Das blaue Tagebuch"
von Andre Juillard, der schon nach dem ersten Erscheinen 1996 mit
Fachpreisen ausgezeichnet worden war.
Der Comic erzählt die Geschichte von Victor Sanchez, der eines Tages von
seinem Stehplatz in der Metro aus in das Fenster einer unbekannten Schönen
blickt, die dort völlig nackt ihren Morgenkaffee trinkt. Victor ist sofort
hingerissen von der Frau und versucht alles, um sie kennen zu lernen, was
ihm nach mehreren Anläufen auch gelingt. Eine stürmische Liebesnacht ist
die Folge.
Victor scheint am Ziel seiner Träume zu sein. Doch auch Victors Freund Armand
ist hinter Louise, wie die Unbekannte heißt, her. Armand erfährt, dass Victor
ein blaues Tagebuch führt, dem er seine Suche nach Louise anvertraut hat.
Als dieses Buch in Louises Hände gerät, macht sie mit Victor Schluss. Einige
Tage später wird Armand tot aufgefunden. Wurde er ermordet? "Das blaue Tagebuch"
ist Krimi und Liebesgeschichte in einem.
Dem Leser wird die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptfiguren
geschildert und er ist gezwungen, das Puzzle selbst zusammen zu fügen. Das
gelingt erst beim zweiten Lesen wirklich, fragt man sich doch zunächst,
warum Louise so harsch reagiert. Erst in der Rückschau fügen sich die Erzählfäden
wieder zu einem Strang zusammen.
Juillard bebildert den Comic mit naiver Nähe zu seinen Figuren, die manchmal
nah am Klischee vorbeischrammt. "Das blaue Tagebuch" ist eine konservative
Erzählung, in der Mädchen noch Prinzipien haben, dabei aber extrem kurze
Röcke tragen und den Männern verfallen, wenn sie Alkohol trinken. Ein verstörender
Comic, der durch seine unspektakuläre Art verwirrt und überzeugt.
Dass ein Comic, dessen Titel-Thematik eine tiefere Einsicht in mindestens
eine Figur zu versprechen scheint (gäbe es eine bessere Möglichkeit dazu
als das Tagebuch?), diese Einsicht so strikt verweigert, das allein ist
schon eine Kunst für sich.
Tina Manske
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Verlegt im Eckart-Schott-Verlag
Literaturkritiken.de, Oktober 2002
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