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Aus Teufels Topf
Die neuen Risiken beim Essen
Hans-Ulrich Grimm

 Aus Teufels Topf Am Beispiel der Antibiotika zeigt sich, welch seltsame Denkweisen die Produktion von Nahrungsmitteln bestimmen. Medikamente sollten eigentlich in Notsituationen eingesetzt werden, wenn ein Mensch erkrankt ist, wenn seine Selbstheilungskräfte erlahmen und nur noch der Doktor helfen kann. Den Tieren aber werden diese Arzneien verabreicht, wenn sie kerngesund sind. Ein Notfall ist weit und breit nicht in Sicht. Die Mittel werden eigentlich nicht gebraucht, sondern nur eingesetzt, weil die Produktionsbedingungen in hohem Maße ungesund sind und weil möglichst billig möglichst viel Fleisch, möglichst viel Milch, möglichst viele Eier erzeugt werden sollen.
Absurderweise gibt es aber ohnehin von allem zu viel: Zu viel Milch, zu viele Eier - und auch zu viel Fleisch: Tausende von Tonnen, für die es keinen Bedarf gibt, müssen in der Europäischen Union regelmäßig eingelagert werden.
All dieser Überschuss wird von der Agroindustrie mit hochriskanten Methoden erzeugt, aus denen auch noch neue Gesundheitsrisiken erwachsen, die selbstverständlich gleichfalls entbehrlich sind.
Die Fortschritte der Medizin, dank derer sich die Menschen in den Industrieländern vor vielen Krankheiten geschützt fühlen können, werden dadurch außer Kraft gesetzt. Viele Mittel helfen nicht mehr. Die Waffen der Medizin im Kampf gegen die Übermacht der Erreger sind stumpf geworden.
In Spanien, Ungarn und den USA sind schon bis zu 50 Prozent der Pneumokokken, die Lungenentzündung auslösen, resistent gegen den Klassiker unter den Antibiotika, das Penicillin. In den USA sind auch schon 80 Prozent der Stämme von Staphylococcus epidermid, der Wundinfektionen auslöst, gegen das Antibiotikum Methicillin resistent. Und in der Umgebung von San Francisco wuchs der Anteil der Enterokokken, die sogar gegen das Reserveantibiotikum Vancomycin immun sind, von 1993 bis 1997 von drei auf 95 Prozent.
Und die Bakterien, die sich gegen die Waffen der Mediziner gewappnet haben, breiten sich rasch aus. So waren Staphylokokken, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent sind, in Deutschland bis 1993 eher selten. Plötzlich aber entdeckten Mediziner ein völlig neues Bakterium diesen Typs, ein kraftvolles Wesen, das den Arzneien trotzte. Und weil dies gleich in sechs hauptstädtischen Krankenhäusern auftrat, tauften sie ihn auf den Namen "Berliner Stamm". Der war aber offenbar nicht sehr heimattreu, sondern verließ seine Geburtsstätte bald, wurde in Nordrhein-Westfalen gesichtet und sogar in Holland, wohin ihn ein verunglückter Motorradfahrer verschleppt hatte.
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