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Archetypen der Seele
Varda Hasselmann, Frank Schmolke

Archetypen der SeeleDer Weise ist weise, weil er weiß, dass Wissen nicht alles ist. Der Weise ist weise, weil er vieles, was der Gelehrte ernst nehmen muss, nicht ernst nehmen kann. Der Weise ist weise, weil er auf Wissen allein nicht angewiesen ist.

Er sucht nach Erkenntnis auf eine Art, die anderen Seelenrollen nicht leicht zugänglich ist. Er möchte stets ganz eng in Kontakt mit seinen Mitmenschen
sein, weil andere, wie immer auch sie sich geben mögen ihm das Leben begreifbar machen. Der Weise erfährt sich im Austausch. Sein Wesen blüht in der Kommunikation.

Der Weise hat den Blick für das Ganze, während der Gelehrte sich am Detail ergötzt. Der Weise blickt über die Einzelheit hinaus. Er kann sehr gut zusammenfassen. Er ist von dem Drang besessen, zu verstehen und hinter die Dinge zu blicken. Er möchte aus den vielen Einzelelementen seiner Erfahrung und des Lebens allgemein ein verstehbares und überschaubares Ganzes erschaffen. Sein Wissen entspringt nicht seiner Theorie, sondern direkt den Quellen seiner Erfahrung, und er wird sich deshalb häufig von den Institutionen, die Wissen als Gelehrsamkeit vermitteln, ein wenig abgestoßen oder betrogen fühlen.
(Aus dem Kapitel: Die essentielle Seelenrolle)
 Copyright Goldmann

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